Auffälligerweise scheinen sich im Sommer bei einer bestimmten, ruhigen Wetterlage, dem so genannten „Nessie-Wetter“, die Sichtungen zu häufen – ein mögliches Indiz dafür, dass nicht etwa ein sonnenhungriges Seeungeheuer, sondern eher eine physikalische Ursache die scheinbaren Nessies erklären könnte. In der engeren Wahl der Experten stehen dabei gleich mehrere Effekte, darunter so „profane“ Erklärungen wie Schiffswellen, Treibgut oder Windhosen, aber auch Luftspiegelungen und Unterwasserwellen.
Gerade bei ruhigem, fast windstillen Wetter macht die spiegelglatte Wasseroberfläche es schwer, die Größe von Objekten im Wasser akkurat einzuschätzen. Das Gehirn braucht in der Regel Bezugsobjekte, wie beispielsweise eine Ente, Wellen oder ein Schiff als Vergleichsgrößen oder aber zumindestens deutliche Hinweise auf die Entfernung eines unbekannten Objekts. Fehlen diese, wird aus einer Mücke schnell ein Elefant, oder vielmehr ein treibendes Holzstück schnell zum Seeungeheuer.
Unter den 3.000 Sichtungen, die Wissenschaftler auf solche möglichen Fehleinschätzungen hin untersuchten, blieben nur 258, die damit nicht erklärbar waren.

Eine für den Loch Ness typische klimatische Eigenheit könnte zudem für weitere vermeintliche Nessie-Sichtungen verantwortlich sein: Das Wasser des Sees ist im Winter deutlich wärmer als die darüberliegende Luft, im Sommer dagegen erheblich kälter. Nahe der Wasseroberfläche bildet sich dadurch bei wenig Wind eine Übergangszone, in der übereinanderliegende unterschiedlich warme Luftschichten und ihre Grenzen Verzerrungen und Luftspiegelungen hervorrufen können. In der Regel werden dabei aus dem Wasser ragende Objekte vertikal gedehnt.