
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben sich ein besonderes Verfahren ausgedacht, um auch komplexe Gewebe oder Organe wie Leber oder Niere im Labor herzustellen. Sie nutzen als Ausgangsbasis ein Stück Schweinedarm, das über eine Arterie für die Blutzufuhr und über eine Vene für die Blutableitung verfügt. Dann entfernen sie die tierischen Zellen, so dass neben den Proteinen der Bindegewebsschicht nur die Röhren des Gefäßsystems bleiben. Diese zellfreie Trägerstruktur ähnelt in ihrer Zusammensetzung dem menschlichen Gewebe.
Das Geflecht kleiden die Wissenschaftler von innen mit menschlichen Endothelzellen aus. Sobald im Gefäßsystem künstliches Blut zirkuliert, können auf der Matrix Zellen der unterschiedlichsten Organe heranwachsen. Da das Gewebe über ein eigenes Blutkreislaufsystem verfügt, lässt es sich im Bioreaktor wochenlang am Leben erhalten. Ein Computer steuert den arteriellen Druck, die Temperatur und die Fließgeschwindigkeit.
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Luftröhre aus menschlichem Gewebe
Das neue Verfahren lässt sich vielfältig nutzen. Ein Beispiel ist die Züchtung einer neuen Luftröhre aus menschlichem Gewebe. Größere Verletzungen der Luft- und Speiseröhre, etwa nach Unfällen oder Tumorerkrankungen, lassen sich bislang nicht behandeln. Patienten können nur mit dauerhafter intensiver Krankenhausbehandlung überleben.