März 2010, ein Bezirksgericht in New York. Verhandelt wird eine Klage der American Civil Liberties Union und 20 weiterer Organisationen gegen die Gentech-Firma Myriad Genetics. Der Gegenstand der Klage: Die menschlichen Gene BRCA1 und BRCA2. Sind diese Gene mutiert, steigt das Risiko für eine Frau stark an, an Brustkrebs und Eierstockkrebs zu erkranken. Meist entwickeln sich dabei schon sehr früh Tumore. Da diese Genvarianten auch vererbt werden, ist es für die betroffenen Frauen sehr wichtig, möglichst früh Bescheid zu wissen, ob sie Trägerinnen dieser Brustkrebsgene sind. Und genau hier setzt der Patentstreit ein.
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Patent macht Tests teuer
Denn die Gründer der Firma Myriad gehören zu den Forschern, die 1994 als erste die Sequenz des BRCA1-Gens entschlüsselt und veröffentlicht haben. 1995 hatten sie maßgeblich Anteil an der Entzifferung des BRCA2-Gens – und reichten umgehend Patentanträge sowohl in den USA als auch in Europa ein, um sich beide Gene und die entsprechenden Nachweistests dafür patentieren zu lassen. Mit Erfolg. Bis vor wenigen Jahren besaß damit weltweit allein Myriad das Recht, DNA-Proben von Frauen auf diese Genvarianten hin untersuchen zu lassen. Pro Test nahm die Firma 3.000 US-Dollar.
Wagte es ein Labor, auf eigene Faust einen solchen Brustkrebs-Gentest anzubieten, drohte Myriad prompt mit Unterlassungsklage. In Europa war dieser Zustand aber nicht von langer Dauer: 2005 hatten die jahrelangen Proteste von Ärzten, Forschern und Patienten Erfolg. Das europäische Patentamt (EPA) in München schränkte die Myriad-Patente stark ein und befand, dass die Gentech-Firma keine Ansprüche anmelden darf, wenn die Gene zu rein diagnostischen Zwecken untersucht werden. Damit konnten nun auch andere Firmen und Labore Tests auf die Brustkrebsgene anbieten – zu etwa der Hälfte der Kosten.