Das größte Lebewesen der Welt liegt im Sterben. Schuld daran sind mehrere Faktoren, die teilweise voneinander abhängig sind.
Vor allem das Klimaphänomen El Nino – was so viel bedeutet, wie das Christkind – das alle paar Jahre um die Weihnachtzeit auftaucht hat einen entscheidenden Anteil an dieser Situation. Eine Folge von El Nino ist unter anderem die großflächige Meereserwärmung entlang des Äquators, die über Monate hinweg vom Ost- zum Westpazifik langsam zunimmt. Dabei können die Wassertemperaturen um bis zu fünf Grad von den Normalwerten abweichen.
Für die anspruchsvollen und sensiblen Korallen bedeutet so eine entscheidende Veränderung ihrer Lebensbedingungen puren Stress. Das so genannte „coral bleaching“ – das Ausbleichen der Korallen setzt ein. Dabei wird die Symbiose zwischen Korallenpolypen und Algen empfindlich gestört. Die Algen fallen in eine Art Schockzustand und produzieren durch die Photosynthese keinen Zucker wie normalerweise, sondern aggressive Moleküle. Daraufhin werden sie von den Korallenpolypen abgestoßen. Als Folge zerbricht die Symbiose, die Korallen erblassen und die Riffe sterben ab.
Im Jahr 1998 wurde das bisher größte coral bleaching-Ereignis festgestellt. Hervorgerufen wurde es durch die längsten El Nino und La Nina-Klimaveränderungen, die jemals aufgezeichnet wurden. Zuerst ging man von einer lokalen Erscheinung im polynesischen Tuamotu-Atoll aus. Doch die Korallenbleiche breitete sich wie eine Seuche auf der ganzen Welt aus. Am Ende waren 70 Prozent der Malediven-Riffe, 75 Prozent der Seychellen-Riffe und die kenianischen Korallenriffe sogar zu 80 Prozent geschädigt. Vor der Küste des mittelamerikanischen Staates Belize starb sogar ein ganzes Korallenriff bis in große Tiefen vollständig ab. In 32 Ländern verloren die ehemals bunten Riffe ihre Farbe. Weltweit wurde ungefähr ein Sechstel aller Korallenriffe in nur neun Monaten zerstört. Während einige der beschädigten Riffe gute Chancen haben sich langsam wieder zu erholen, wird die Hälfte der Riffe es vermutlich nicht mehr schaffen. Weltweit gelten heute schon 27 Prozent aller Riffe als verloren.