Keine Kartoffeln auf dem Mars? Die Strahlenbelastung an der Marsoberfläche ist möglicherweise zu hoch, um dort Pflanzen in Gewächshäusern zu kultivieren, wie nun ein Experiment nahelegt. Unter einer marstypischen Strahlendosis keimten Roggen- und Kressepflanzen zwar, entwickelten aber schon nach kurzer Zeit Deformationen und nur halb so viel Biomasse wie unter irdischen Bedingungen. Das könnte bedeuten, dass künftige Mars-Bewohner ihre Nahrungspflanzen unter der Oberfläche oder speziellen Strahlenschutzhüllen züchten müssen.
Wenn künftig Menschen auf dem Mars leben sollen, dann müssen sie sich zumindest zum Teil selbst versorgen können – indem sie beispielsweise Gemüse anbauen. Erste Tests belegen bereits, dass Pflanzen auf Mars-Regolith gedeihen können, sofern man diesen mit organischem Material anreichert. Auch in der Antarktis und auf der Internationalen Raumstation ISS werden für Mond- und Marskolonien geeignete Zuchtmethoden für Salat und Co getestet. Und sogar im Inneren der chinesischen Mondsonde Chang’e 4 keimten erste Pflanzen.
Fehlender Strahlenschutz auf Mond und Mars
Doch einen Faktor haben die Pläne für Gewächshäuser auf Mond und Mars bislang weitgehend außer Acht gelassen: die Strahlung. Während das Erdmagnetfeld und die dichte Erdatmosphäre als Strahlenschutzhülle fungieren und die irdische Natur relativ gut vor der harten kosmischen und solaren Strahlung schützen, ist dies bei Mond und Mars nicht der Fall. Beiden fehlt ein schützendes Magnetfeld und die Mars-Atmosphäre ist nur dünn.

„Nach Messungen des Mars-Rovers Curiosity liegt die Strahlenbelastung an der Marsoberfläche im Schnitt bei 233 Mikrogray pro Tag“, berichten Nyncke Tack vom Reaktorinstitut Delft und ihre Kollegen. „Das ist 17-mal höher als die höchste Strahlendosis an der Erdoberfläche.“ Trifft ein Sonnensturm den Mars, kann sich die Strahlenbelastung noch einmal um das bis zu 50-Fache erhöhen, wie Messungen ergaben.