Die Diskussion um die Ursachen des Klimawandels ist um ein neues, stichhaltiges Argument reicher. Erstmals konnten Wissenschaftler anhand neuartiger Satellitendaten nachweisen, dass sich der menschliche Einfluss auch über die bodennahen Luftschichten hinaus in die obere Atmosphäre erstreckt. Die im Fachjournal „Geophysical Research Letters“ veröffentlichte Studie ergab, dass sich das Ausmaß der Veränderungen dort nur erklären lässt, wenn von Menschen verursachte Klimatrends durch Treibhausgase mit einbezogen werden.
Dass die Treibhausgase die unteren Atmosphärenschichten, die Troposphäre, allmählich aufheizen, ist schon länger bekannt. Satellitendaten hatten ebenfalls bereits Hinweise darauf geliefert, dass parallel dazu eine gegenläufige Entwicklung in den höheren Schichten der Atmosphäre stattfindet, der Stratosphäre. Hier schienen die Temperaturwerte eher zu sinken. Aber wie stark? Und warum? Genau das hat ein internationales Forscherteam, koordiniert von Gottfried Kirchengast, Leiter des Wegener Zentrums und Professor für Geophysik an der Universität Graz untersucht.
GPS Radiookkultation als Werkzeug
Die Wissenschaftler nutzten für ihre Analysen nicht Modelle, sondern arbeiteten rein datenbasiert mit der GPS Radiookkultation. „Dabei handelt es sich um Messungen mit Satelliten, welche GPS-Signale nach ihrem Weg durch die Atmosphäre empfangen. Dies liefert im Gegensatz zu bisherigen Methoden auch über lange Zeiträume äußerst genaue Klimadaten“, erklärt Andrea Steiner, Mitkoordinatorin des Projekts. Hierfür registriert ein Empfänger an Bord des Messsatelliten die Signale des GPS-Satellitennavigationssystems und bestimmt den Einfluss der Atmosphäre auf die Signallaufzeiten mit hoher Genauigkeit.
Bei ihren Analysen konzentrierte sich das Forscherteam auf die Atmosphäre über den Tropen. Dort ist die Wetterschicht mit 16 Kilometern am dicksten und der Erwärmungs-Abkühlungs-Kontrast von grundlegender Bedeutung für das gesamte Klimasystem der Erde. Und dieser Kontrast hat es in sich, wie die Auswertungen belegten.