Heftiges Bombardement in der Frühzeit des Sonnensystems sorgte dafür, dass sich die beiden Jupitermonde Ganymed und Callisto völlig unterschiedlich entwickelten. Diese jetzt in „Nature Geoscience“ veröffentliche Erkenntnis klärt die seit langem offene Frage, warum die Monde trotz gleicher Ausgangsbedingungen heute völlig verschiedene Oberflächen und innere Strukturen besitzen.
Ganymed ist der dritte Mond des Jupiter und der größte Mond des Sonnensystems. Callisto umkreist den Jupiter gleich außerhalb des Ganymed und ist etwa so groß wie der Planet Merkur. Beide entstanden zur gleichen Zeit, aus der gleichen Region der Urwolke. Doch damit enden heute die Gemeinsamkeiten. Denn während Ganymeds Inneres in einen metallischen Kern und mehrere Schichten differenziert ist, blieb Callisto unvollkommen differenziert und besteht aus einer Mischung aus Silikatgestein und Eis. Und auch die Oberflächenstrukturen der beiden Jupitermonde unterscheiden sich: Einer einheitlichen, ungewöhnlich dunklen Eisoberfläche bei Callisto steht bei Ganymed eine Zweiteilung in eine alte, dunkle Hälfte und eine hellere, durch viele Verwerfungen gekennzeichnete gegenüber.
Schweres Bombardement im jungen Sonnensystem
Seitdem die Voyagersonden vor mittlerweile 30 Jahren die ersten Daten über die beiden Monde sendeten, ist die Frage unbeantwortet, warum Ganymed und Callisto solche Unterschiede aufweisen. Jetzt haben Amy C. Barr und Robin M. Canup vom Southwest Research Institute (SwRI) eine Erklärung gefunden, die die Wurzeln der ungleichen Entwicklung in die Frühzeit des Sonnensystems verlegt.
In dieser Zeit des so genannten „Späten Schweren Bombardements“ vor rund 3,8 Milliarden Jahren wurden die jungen Planeten immer wieder durch Einschläge von kleineren und größeren Gesteinsbrocken – Resten der Planetenbildung – getroffen. Die Forscher modellierten die Ereignisse zu dieser Zeit und analysierten, wie stark wiederholte Treffer einen Himmelskörper von der Größe der beiden Monde aufheizen und aufschmelzen lassen.