Was macht ein Musikstück zum „Ohrwurm“? Warum bleiben einige Lieder – oft ungewollt – wie eine Endlosschleife im Kopf haften, während andere sofort vergessen sind? Ein Musikforscher hat diese Frage jetzt untersucht. Eine wichtige Rolle spielen offenbar sowohl die emotionale Reaktion und Situation des Hörers, aber auch Bekanntheit und Art des Musikstücks.
Wenn Lena Meyer-Landrut am kommenden Samstag in Oslo auf der Bühne steht, wird sie mit „Satellite“ einen Titel singen, der vielen Menschen nicht mehr aus dem Sinn geht. Seit Wochen behauptet sich der deutsche Beitrag für den „Eurovision Song Contest“ in den Top Ten. Wie ein solcher Ohrwurm entsteht und was ihn auszeichnet, hat der Direktor des Instituts für Musik an der Uni Kassel, Professor Jan Hemming, jetzt untersucht.
Unplanbar und unwillkürlich
Schon Sigmund Freud befasste sich in seinem Hauptwerk „Die Traumdeutung“ mit dem Phänomen des „Ohrwurms“. Für den Begründer der Psychoanalyse waren solche „Endlosschleifen“ im Kopf die unbewusste Artikulation von Wünschen. Seitdem haben sich Psychologen immer wieder mit der Problematik befasst, ohne zu einer allgemein überzeugenden Erklärung zu kommen. „Das Auftreten eines Ohrwurms ist immer unwillkürlich“, erklärt Hemming. Ein Musiker kann ihn nicht planen, ein Musikkonsument kann ihn nicht vorhersehen. Manchmal stellt sich die akustische Endlosschleife im Kopf schon nach einmaligem Hören ein, manchmal erst nach Tagen.
Ebenso unmöglich zu kalkulieren ist die Dauer. Bei einer Untersuchung am Kasseler Institut für Musik berichteten einige Probanden, dass der Ohrwurm nach einigen Minuten verschwand. Manche wurden von der immer wiederkehrenden Melodie im Kopf bis zu drei Wochen heimgesucht.