Neuartige Pflastersteine könnten zukünftig dazu beitragen, die Stadtluft sauberer zu machen: Mit Hilfe einer Beschichtung mit Nanopartikeln aus Titandioxid und der katalytischen Wirkung des Sonnenlichts absorbieren sie Stickoxide und reduzieren so die Konzentration der gesundheitsschädlichen Gase in der Luft. Erste Tests haben jetzt Abbauraten von bis zu 70 Prozent ergeben.
Um die Luftqualität in Deutschland ist es nicht zum Besten bestellt. Das belegen die Daten des Umweltbundesamts für das Jahr 2009: An 55 Prozent der Luftmessstationen in Städten wurden die zulässigen Grenzwerte von gesundheitsschädlichem Stickoxid überschritten. Eine der Hauptemissionsquellen ist der Autoverkehr, doch die Versuche, den Ausstoß zu verringern, waren bisher nur bedingt von Erfolg gekrönt. Deshalb gehen Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) jetzt andere Wege: Sie testeten die Absorption von Stickoxiden durch spezielle Pflastersteine.
Beschichtung wandelt Stickoxide in Nitrat um
Die von einer Betonfirma hergestellten Steine sind an der Oberfläche mit Nanopartikeln aus Titandioxid (TiO2) beschichtet. Dieser Photokatalysator reagiert bei Sonneneinstrahlung mit Luftschadstoffen wie Stickoxiden und wandelt sie in Nitrate um. „Dass photokatalytische Pflastersteine die Luftqualität verbessern können, haben bereits Untersuchungen in italienischen Städten ergeben. Wir wollten prüfen, inwieweit diese Effekte auch in Deutschland – bei geringerer Lichtintensität und Sonnenscheindauer – gemessen werden können“, erläutert Monika Herrchen, Wissenschaftlerin am IME. „Denn je intensiver die Sonneneinstrahlung ist, desto schneller erfolgt der Abbau der Schadstoffe. Ziel war es also, eine Rezeptur mit der höchsten photokatalytischen Effizienz zu finden.“
Verringerung der Stickoxidbelastung durchschnittlich 20 bis 30 Prozent
Dafür fertigte der Betonhersteller zunächst Mustersteine, bei denen Oberfläche, Farbe, Zementsorte und TiO2-Gehalt variiert wurden. Da die Abbauraten von Stickoxid mit handelsüblichem photokatalytischem Zement nicht ausreichend waren, musste die Firma F.C. Nüdling erst eine eigene, wirksamere Rezeptur entwickeln. Nach einigem Testen war schließlich eine geeignete Mischung gefunden: In eigens angelegten Straßenschluchten wiesen die Forscherin und ihr Team im Langzeitfeldversuch Stickoxid- Abbauraten von 20 bis 30 Prozent nach.