Der Petermann-Gletscher in Grönland hat am letzten Donnerstag eine gewaltige Eisinsel gekalbt und damit ein Viertel seines schwimmenden Eisschelfs verloren. Dies ist der größte Eisabbruch in der Arktis seit 1962. Die gut 250 Quadratkilometer große Eisinsel driftet nun in der Meerenge zwischen Grönland und Kanada.
Der Petermann-Gletscher ist einer der nördlichsten Gletscher der Erde. Er fließt vom nordwestlichen grönländischen Eisschild in die Nares Strait, eine Meerenge des Nordpolarmeers zwischen Grönland und Kanada bei rund 81 Grad nördlicher Breite. In der Nares Strait endete der Gletscher bisher in einer rund 70 Kilometer langen und 15 Kilometer breiten schwimmenden Eiszunge. Doch jetzt ist diese Eiszunge gebrochen.
Satellitendaten enthüllen Riss im Eis
Entdeckt wurde dies vor einigen Tagen vom NASA-Erdbeobachtungsatelliten Aqua: Als die Glaziologin Trudy Wohlleben vom Canadian Ice Service am Morgen des 5. August 2010 routinemäßig die frisch übertragenen Daten des MODIS Instruments auswertete, stieß sie auf die frische Abbruchstelle. Von der Eiszunge war eine Eisinsel von gut 250 Quadratkilometern Fläche abgebrochen – das entspricht der vierfachen Größe Manhattans, wie Andreas Muenchow, Professor für Ozeanografie an der Universität von Delaware erklärt. Gemeinsam mit Kollegen untersucht er zurzeit die Eisentwicklung in dieser Region.
„Das Süßwasser, das in dieser Eisinsel enthalten ist, könnten die Flüsse Hudson oder Delaware für mehr als zwei Jahre lang am Laufen halten“, so Muenchow. „Es würde zudem alle öffentlichen Trinkwasserhähne der USA für 120 Tage versorgen.“