Wenn Söhne ohne Vater aufwachsen, wirkt sich dies nicht nur in der Kindheit aus. Es beeinflusst offenbar auch ihre spätere Entwicklung, wie britische Forscherinnen jetzt herausgefunden haben. Die Abwesenheit eines Vaters im Kindesalter sei bei Jungen mit einer späteren Pubertät verknüpft, berichten die Wissenschaftlerinnen im Fachmagazin „Biology Letters“. Dafür sei die Wahrscheinlichkeit höher, dass diese Jungen im Alter von 23 Jahren bereits mindestens ein Kind gezeugt hatten.
Diese Zusammenhänge seien auch dann noch gültig gewesen, wenn man andere Faktoren wie soziale und wirtschaftliche Lage der Familien berücksichtigt habe, sagen Paula Sheppard von der London School of Economics und ihre Kollegin Rebecca Sear von der Durham University.
Werdegang von mehr als 9.500 Jungen untersucht
Für ihre Studie hatten die Forscherinnen in einer Langzeitstudie den Werdegang von mehr 9.500 Jungen von der Geburt bis zum 23. Lebensjahr verfolgt. Bisher sei der väterliche Einfluss vor allem in Bezug auf die Töchter untersucht worden, schreiben sie. In den wenigen vorherigen Studien mit Jungen sei oft nicht getrennt worden zwischen allgemein suboptimalen Kindheitsbedingungen und dem spezifischen Effekt des fehlenden Vaters.
Die Ergebnisse ihrer Langzeiterhebung zeigten jedoch, dass die An- oder Abwesenheit der Väter einen eindeutigen Einfluss auf die Entwicklung von Söhnen ausübe, sagen Sheppard und Sear. „Diese Studie betont, wie wichtig es ist, die Rolle des Vaters sowohl in frühen als auch in späten Kindheitsphasen zu analysieren“, schreiben die Forscherinnen.