Forscher haben neue Erkenntnisse über den innersten Planeten unseres Sonnensystems gewonnen: Neue Daten der Merkur-Raumsonde „MESSENGER“ enthüllten Spuren gewaltiger Vulkanausbrüche, rätselhafte Senken in der Kraterlandschaft und Hinweise auf eine chemisch andere Zusammensetzung dieses Planeten als Erde oder Mond. Das Fachmagazin „Science“ widmet diesen neuen Informationen gleich sieben Artikel in ihrer aktuellen Ausgabe.
Die MESSENGER-Raumsonde der US-Raumfahrtbehörde NASA kreist seit dem 18. März 2011 in einer Umlaufbahn um den Merkur. Sie ist damit die erste Sonde seit „Mariner 10“ in den 1970er Jahren, die diesem bisher kaum erforschten Planeten nahekommt. Die jetzt ausgewerteten Daten der Sonde deuten unter anderem darauf hin, dass der Merkur in seiner Frühzeit vor rund vier Milliarden Jahren eine Ära mit katastrophalen Vulkanausbrüchen erlebt haben muss.
Spuren gewaltiger Lavafluten
Gewaltige Lavamengen seien damals extrem schnell aus Spalten in der Planetenoberfläche gequollen und hätten weite Bereiche der Ebenen überflutet, berichten Forscher um James Head von der Brown University in Providence. Diese mehr als eineinhalb Kilometer dicken Lavaablagerungen seien als glatte, kraterarme Bereiche in Aufnahmen der Nordhalbkugel des Merkur zu erkennen. „Seit mehr als 35 Jahren waren wir uns unsicher über die Rolle der vulkanischen Aktivität auf dem Merkur“, sagt Head. Jetzt sei klar, dass der Planet eine bewegte vulkanische Vergangenheit habe.

Hinweise auf frische Oberflächenveränderungen
Anzeichen dafür, dass der Merkur vielleicht sogar auch heute noch aktiv ist, hat ein Forscherteam um David Blewett von der Johns Hopkins University in Laurel entdeckt. Sie stießen in den MESSENGER-Aufnahmen auf eine bisher unbekannte Oberflächenform, stark reflektierende Häufungen von Senken: „Die Vertiefungen sind zwischen zehn Meter und mehreren Kilometern groß, unregelmäßig geformt und treten meist im Inneren von Kratern auf“, berichten die Forscher.