Nicht Treibhausgase, sondern Ruß und Ozonsmog sind die Hauptschuldigen an der Verschiebung der Klimazonen auf der Nordhalbkugel. Das zeigt die Studie eines internationalen Forscherteams. Demnach heizen diese Luftschadstoffe die Atmosphäre zusätzlich auf und verändern die Strömungen in der Atmosphäre. Dadurch dehnt sich der Tropengürtel immer weiter nach Norden aus – um 0,36 Grad pro Jahrzehnt. Bisherige Klimasimulationen hätten diese Ausdehnung der Tropen um rund ein Drittel unterschätzt, weil sie diesen Effekt nicht ausreichend berücksichtigt hatten, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“.
„Treibhausgase tragen zwar zur Ausdehnung des Tropengürtels bei – aber unsere Arbeit zeigt, dass die Haupttriebkräfte dafür Ruß und Ozonsmog sind“, sagt Erstautor Robert J. Allen von der University of California in Riverside. Diese Erkenntnis erkläre auch, warum die gängigen Klimamodelle die tatsächlich beobachteten Verschiebungen der atmosphärischen Strömungen nicht vollständig wiedergeben.
Gravierende Folgen auch für Europa
Schreitet die Ausdehnung des Tropengürtels weiter ungebremst fort, könnte dies gravierende Auswirkungen auch für die weiter nördlich liegenden Regionen haben, wie die Forscher erklären. „Wenn die Tropen sich weiter polwärts verlagern, werden die Subtropen noch trockener als ohnehin schon“, sagt Allen. Sowohl die Sahelzone als auch der Süden der USA und der Mittelmeerraum wären davon betroffen. Aber auch die Bahnen von Stürmen und das Muster der Niederschläge über den gemäßigten Breiten könnten sich durch die Ausdehnung der Tropen verschieben. „Das wird Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft auch in Europa und Nordamerika beeinflussen“, warnt der Klimaforscher.
Um die negativen Folgen dieser Entwicklung zu verhindern, müsse der Ausstoß dieser Luftschadstoffe verringert werden. „Strengere Maßnahmen würden nicht nur der menschlichen Gesundheit helfen und dem Klimawandel entgegenwirken, sie könnten auch die Folgen der großräumigen Veränderungen in der Atmosphäre der Nordhalbkugel abschwächen“, sagt Allen.