Stressvermeidung ist für Menschen mit Multipler Sklerose wichtiger als gedacht. Denn die seelische Belastung fördert die Entstehung neuer Krankheitsherde im Gehirn. Ein gezieltes Programm zur Stressbekämpfung kann dies jedoch verhindern. Das zeigt erstmals eine Studie US-amerikanischer Forscher an 121 MS-Patienten. Drei Viertel derjenigen, die eine wöchentliche Psychotherapie absolvierten, blieben ein halbes Jahr lang ohne neue Entzündungsherde. Bei den Patienten ohne therapeutische Hilfe waren es nur rund die Hälfte. Die Wirkung des Stressmanagements sei damit mit der von neuen medikamentösen Therapien vergleichbar, die zurzeit in klinischen Studien getestet würden, berichten die Forscher im Fachmagazin „Neurology“.
„Zum ersten Mal haben wir gezeigt, dass Psychotherapie die Entstehung neuer Entzündungsherde bei Multipler Sklerose hemmt“, sagt Studienleiter David Mohr von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago. An diesen Entzündungsherden greift das körpereigene Immunsystem die Nervenhüllen an und schädigt dadurch die Signalleitung. Neu entstehende Herde gelten daher als typisches Merkmal für einen akuten Krankheitsschub und ein Fortschreiten der MS. Die neuen Funde seien der bisher stärkste Beleg dafür, dass Stress das Fortschreiten dieser Autoimmunerkrankung fördere, konstatieren die Forscher.
Nach Ansicht der Wissenschaftler zeigen ihre Ergebnisse, dass gezielte Hilfen zur Stressbewältigung die medikamentösen Therapien bei MS ergänzen und wirksamer machen könnten. Bevor man aber konkrete Empfehlungen für eine Psychotherapie abgebe, müsse man die Ergebnisse erst in einer größeren klinischen Studie bestätigen. Sie soll dann auch zeigen, ob das Stressmanagement die Symptome der Erkrankung langfristig bessern kann.
Hilfe im Umgang mit Ängsten und Problemen
Im Rahmen der Studie absolvierte eine Hälfte der 121 MS-Patienten ein psychotherapeutisches Stressbewältigungsprogramm. Im Rahmen der Psychotherapie lernten die Patienten unter anderem Entspannungstechniken, Strategien, um Probleme und Konflikte stressfreier zu lösen und mit ihren Ängsten umzugehen. „Wenn Menschen ein Problem überbewerten oder ihre Fähigkeit unterschätzen, mit einer Situation umzugehen, löst dies Stress und Angst aus“, erklärt Mohr. Die Therapie helfe ihnen dabei, solche Situationen realistischer zu sehen und dadurch den Stress zu vermeiden. Insgesamt absolvierten die Patienten 16 jeweils knapp einstündige therapeutische Sitzungen im Laufe von sechs Monaten. Die andere Hälfte der Studienteilnehmer erhielt keine Therapie und diente so als Vergleichsgruppe.