Impfungen gegen Malaria könnten diese tödliche Infektionskrankheit noch gefährlicher machen. Denn eine in vielen Impfstoffkandidaten enthaltene Substanz fördert offenbar die Bildung noch aggressiverer Erreger. Darauf deutet ein Versuch US-amerikanischer Forscher mit Mäusen hin. Steckten sich ungeimpfte Mäuse bei geimpften Artgenossen mit dem Malaria-Erreger Plasmodium chabaudi an, erkrankten sie deutlich schwerer als durch den ursprünglichen Parasitenstamm.
Der Kontakt mit dem Wirkstoff merze zwar einen Großteil der Parasiten aus, lasse aber die gefährlicheren überleben. Eine Impfung mit dieser Substanz fördere offenbar Genveränderungen beim Erreger, die ihn aggressiver machten, berichten die Forscher im Fachmagazin „PloS Biology“. Möglicherweise sei dieser Effekt nicht auf Malaria beschränkt, sondern existiere auch bei anderen Infektionskrankheiten.
Gegen die Malaria gibt es bisher noch keine Impfung, weltweit werden aber zurzeit mehrere Wirkstoffe in klinischen Studien getestet. In mindestens zehn dieser Impfstoffkandidaten sei die jetzt im Mäuseversuch geprüfte Substanz AMA-1 enthalten, sagen Victoria Barclay von der Pennsylvania State University und ihre Kollegen. Dieser Wirkstoff regt das Immunsystem dazu an, Antikörper zu bilden, die den Malaria-Parasit daran hindern, in die roten Blutkörperchen einzudringen.
Wenn ein solcher Impfstoff nicht alle Parasiten abtöte, gebe ihnen dies eine Chance, sich weiterzuentwickeln, warnen die Wissenschaftler. Eine Stechmücke könne dann das Blut des geimpften Patienten saugen und die Plasmodien beim nächsten Stich auf eine ungeimpfte Person übertragen. In der Medizin nenne man diesen Prozess ein „Leck“. In den Experimenten mit Mäusen habe sich nun gezeigt, dass solche Lecks beim Wirkstoff AMA-1 fatale Folgen haben könnten.