Die Mütter sind vermutlich schuld daran, dass Männer meist kürzer leben als Frauen. Denn von ihnen erhalten Söhne ihre Mitochondrien, die Kraftwerke der Zelle, samt deren Erbgut. Und dieses Genom enthält zahlreiche Mutationen, die Männer schneller altern lassen, für Frauen aber unschädlich sind. Das hat ein internationales Forscherteam bei Fruchtfliegen festgestellt.
Da die nur für Männer schädlichen Mutationen dem weiblichen Organismus nicht schaden, werden diese bei der Weitergabe von der Mutter an ihren Nachwuchs nicht herausgefiltert. Sie können sich daher im Laufe der Zeit im Mitochondriengenom anreichern. Bei den Fruchtfliegen hätten viele dieser Mutationen die Lebensdauer der Männchen signifikant verkürzt. Diese Anreicherung habe demnach größere Auswirkungen für die Gesundheit und Lebensdauer von Männern als bisher angenommen. Das gelte wahrscheinlich nicht nur für Fruchtfliegen, sondern generell im Tierreich, berichten die Forscher im Fachmagazin „Current Biology“.
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„Alle Tiere und auch der Mensch besitzen Mitochondrien“, erklärt Studienleiter Damian Dowling von der Monash University in Australien. Diese Kraftwerke der Zelle wandeln Nährstoffe in Energie um und liefern so den Treibstoff für alle Körperprozesse. Sie spielen aber auch für das Altern eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zu anderen Zellbestandteilen besitzen die Mitochondrien ein eigenes kleines Genom, das unabhängig vom Zellkern über die weibliche Eizelle weitergegeben wird. „Kinder bekommen Genkopien von beiden Eltern, aber das Mitochondrien-Erbgut erhalten sie nur von ihrer Mutter“, erklärt Dowling.