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Donnerstag, 17.04.2014

71 neue Risikogene für entzündliche Darmerkrankungen

Genanalyse belegt engen Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen

Forscher haben 71 neue Genvarianten identifiziert, die das Risiko für chronisch-entzündliche Darmkerkrankungen erhöhen. Einige dieser Genveränderungen liegen in Erbgut-Regionen, die auch bei Autoimmun-Erkrankungen verändert sind. Das bestätige die Vermutung, dass auch Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auf ein überaktives Immunsystem zurückgingen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature".
DNA

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Über 2,5 Millionen Menschen weltweit sind von chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten betroffen. Bei dieser Art von Krankheiten löst das Immunsystem normalerweise eine anhaltende Entzündungsreaktion im Darm aus, die die Darmwand beschädigt und zu Durchfall und Bauchschmerzen führt. Die Betroffenen benötigen dann eine lebenslange medikamentöse Behandlung und oft chirurgische Eingriffe, um Gewebeschädigungen, die durch die Krankheit verursacht werden, zu beheben. Um diesen Menschen zu helfen, suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach den krankheitsauslösenden Genen.

In einer der größten jemals durchgeführten wissenschaftlichen Studien konnte ein internationales Team nun ein neues Licht auf die genetischen Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten (CED) werfen. In einem ersten Schritt führten die Forscher eine Metaanalyse von 15 vorherigen Studien zu Morbus Crohn (CD) und Colitis Ulcerosa (UC), den zwei häufigsten Formen von CED, durch. Die Ergebnisse sind Teil einer zweiten Metaanalyse, die die Daten von neuen genomweiten Untersuchungen von mehr als 41.000 DNA-Proben von Morbus Crohn- und Colitis Ulcerosa-Betroffenen und gesunden Vergleichsgruppen umfasst, die in elf Forschungszentren auf der ganzen Welt durch das Internationale IBD Genetik Konsortium gesammelt wurden.

Veränderungen in einigen für die Immunabwehr zuständigen Genregionen


Die Forscher identifizierten bei den Patienten genetische Variationen in 163 Regionen des menschlichen Genoms, 71 davon waren zuvor unbekannt. Diese Regionen zeigten eine überraschend große Übereinstimmung mit den Regionen des Genoms, die mit anderen Autoimmunkrankheiten in Verbindung gebracht werden. Dies lasse vermuten, dass CED durch ein überaktives Immunsystem ausgelöst werde. „Wir sehen einen genetischen Balanceakt zwischen Verteidigung gegen bakterielle Infektionen und dem Angriff auf eigene Körperzellen“, erklärt Stefan Schreiber, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Kiel. „Viele der Regionen, die wir gefunden haben, sind daran beteiligt, Signale oder Immunantworten zur Bekämpfung von schädlichen Bakterien auszusenden. Wir haben herausgefunden, dass, wenn diese Mechanismen überreagieren, dies Entzündungen auslösen kann, die zu CED führen.“

Als überraschend werten die Forscher zudem, dass viele der neuentdeckten Genvarianten bei beiden Formen entzündlicher Darmerkrankungen vorkamen: „Bisher haben wir Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa getrennt voneinander untersucht“, so Schreiber. “Wir haben die Studie auf Basis der Annahme durchgeführt, dass es vermutlich große genetische Übereinstimmung zwischen den beiden Krankheiten gibt.“ (DOI: 10.1038/nature11582)

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