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Freitag, 18.04.2014

Stein-Speerspitzen gab es schon vor 500.000 Jahren

Fundstücke aus Südafrika werfen neues Licht auf die Fähigkeiten unserer frühen Vorfahren

Unsere Vorfahren nutzen schon viel früher steinerne Speerspitzen zur Jagd als gedacht. Das belegen 500.000 Jahre alte Steinspitzen aus Südafrika, die ein internationales Forscherteam jetzt näher untersucht hat. Aus den Gebrauchsspuren und der Form der steinernen Dreiecksklingen gehe hervor, dass sie einst an Speer- oder Pfeilschäften befestigt waren. Sie seien damit rund 200.000 Jahre älter als die frühesten bisher bekannten Beispiele für solche zusammengesetzten Jagdwaffen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science".
Nachgebaute Steinspitzen

Nachgebaute Steinspitzen

Die Funde seien der erste Beleg dafür, dass offenbar schon der Vorfahre von Neandertaler und frühem modernen Menschen solche Werkzeuge herstellen konnte. Bisher nahm man an, dass der vor rund 500.000 Jahren lebende Vormensch Homo heidelbergensis zwar schon Faustkeile als Messer nutzte, aber noch keine aus Holz und Stein zusammengefügten Werkzeuge kannte.

"Dieser Fund verändert unsere Vorstellungen über frühe menschliche Errungenschaften und über die Fähigkeiten unserer Vorfahren", konstatiert Erstautorin Jayne Wilkins von der University of Toronto. Schon länger sei bekannt, dass sowohl der Neandertaler als auch der frühe moderne Mensch (Homo sapiens) Speere mit Steinspitzen zur Jagd nutzten. Diese Waffen waren ein wichtiger Fortschritt, denn sie besaßen mehr Durchschlagskraft und töteten daher vor allem größeres Wild effektiver als reine Holzspeere. Jetzt zeige sich, dass solche Waffen früher in der Stammesgeschichte des Menschen erfunden worden seien als gedacht, sagt Wilkins.

Symmetrische Klingen mit unklarer Funktion


Entdeckt wurden die mehr als 200 Steinspitzen bereits Anfang der 1980er Jahre in der Ausgrabungsstätte Kathu Pan 1 in der Nördlichen Cap-Provinz Südafrikas. Die nach oben schmal zulaufenden Spitzen sind zwischen 2,8 und 12,3 Zentimeter lang und relativ symmetrisch geformt. 2010 wurden sie auf ein Alter von rund 500.000 Jahren datiert. Welchem Zweck diese Steinwerkzeuge dienten, fanden aber erst jetzt Wilkins und ihre Kollegen heraus.

"Einige der Dreiecksklingen sind an ihrer Spitze, an den Seiten oder an der Basis beschädigt", berichten die Forscher. Solche Gebrauchsspuren entstünden typischerweise, wenn Steinspitzen-Jagdwaffen mit Schwung auf ein hartes Ziel treffen. Wenn man solche Beschädigungen an archäologischen Fundstücken finde, gelte dies daher als Indiz dafür, dass es sich um Speer- oder Pfeilspitzen handele - und nicht um als Messer oder Schaber verwendete Werkzeuge.

Speerspitze aus der Fundstelle Kathu Pan 1

Speerspitze aus der Fundstelle Kathu Pan 1

Um ihre Annahme zu testen, bauten die Archäologen die urzeitlichen Speerspitzen aus dem gleichen Gesteinsmaterial nach und befestigten sie an hölzernen Speerschäften. Diese originalgetreu rekonstruierten Speere katapultierten sie dann mit einer Wurfschleuder auf zwei tote Springböcke. Das Experiment habe gezeigt, dass die Steinklingen ihre Funktion gut erfüllten, sagen die Forscher. Nach mehrfacher Nutzung seien zudem ähnliche Schäden aufgetreten wie an den Fundstücken aus Südafrika zu sehen.

Zu symmetrisch für Steinmesser


Für eine Nutzung der 500.000 Jahre alten Steinrelikte als Speerspitzen sprechen nach Ansicht der Wissenschaftler auch weitere Merkmale: "Zum Schneiden benutzte Steinwerkzeuge werden im Laufe des Gebrauchs immer kleiner und asymmetrischer, weil sie meist einseitig nachgeschärft werden", erklären Wilkins und ihre Kollegen. Bei den Steinspitzen aus Kathu Pan 1 seien aber kleine und große Exemplare gleich symmetrisch. Das spreche dagegen, dass es sich um einfache Steinmesser handele.

Bei rund 13 Prozent der Steinspitzen fanden die Wissenschaftler zudem Spuren von nachträglicher Bearbeitung an der Basis. Kleine Steinstücke waren so herausgeschlagen, dass die Enden etwas schmaler wurden. "Wahrscheinlich wurden sie angepasst, damit man sie besser am Schaft befestigen konnte", mutmaßen die Forscher. (doi:10.1126/science.1227608)

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