Unsere Vorfahren nutzen schon viel früher steinerne Speerspitzen zur Jagd als gedacht. Das belegen 500.000 Jahre alte Steinspitzen aus Südafrika, die ein internationales Forscherteam jetzt näher untersucht hat. Aus den Gebrauchsspuren und der Form der steinernen Dreiecksklingen gehe hervor, dass sie einst an Speer- oder Pfeilschäften befestigt waren. Sie seien damit rund 200.000 Jahre älter als die frühesten bisher bekannten Beispiele für solche zusammengesetzten Jagdwaffen, berichten die Forscher im Fachmagazin „Science“.
Die Funde seien der erste Beleg dafür, dass offenbar schon der Vorfahre von Neandertaler und frühem modernen Menschen solche Werkzeuge herstellen konnte. Bisher nahm man an, dass der vor rund 500.000 Jahren lebende Vormensch Homo heidelbergensis zwar schon Faustkeile als Messer nutzte, aber noch keine aus Holz und Stein zusammengefügten Werkzeuge kannte.
„Dieser Fund verändert unsere Vorstellungen über frühe menschliche Errungenschaften und über die Fähigkeiten unserer Vorfahren“, konstatiert Erstautorin Jayne Wilkins von der University of Toronto. Schon länger sei bekannt, dass sowohl der Neandertaler als auch der frühe moderne Mensch (Homo sapiens) Speere mit Steinspitzen zur Jagd nutzten. Diese Waffen waren ein wichtiger Fortschritt, denn sie besaßen mehr Durchschlagskraft und töteten daher vor allem größeres Wild effektiver als reine Holzspeere. Jetzt zeige sich, dass solche Waffen früher in der Stammesgeschichte des Menschen erfunden worden seien als gedacht, sagt Wilkins.
Symmetrische Klingen mit unklarer Funktion
Entdeckt wurden die mehr als 200 Steinspitzen bereits Anfang der 1980er Jahre in der Ausgrabungsstätte Kathu Pan 1 in der Nördlichen Cap-Provinz Südafrikas. Die nach oben schmal zulaufenden Spitzen sind zwischen 2,8 und 12,3 Zentimeter lang und relativ symmetrisch geformt. 2010 wurden sie auf ein Alter von rund 500.000 Jahren datiert. Welchem Zweck diese Steinwerkzeuge dienten, fanden aber erst jetzt Wilkins und ihre Kollegen heraus.