Den Kopf auf den Rücken und darüber hinaus zu drehen, ist für Eulen kein Problem. Warum sich diese Vögel dabei nicht die Blutzufuhr zum Gehirn abschneiden, haben US-amerikanische Forscher jetzt herausgefunden: Die Blutgefäße im Genick der Vögel haben mehr Spiel als bei uns und zusätzlich sichern „Reserveadern“ und Blutreservoirs die Versorgung des Gehirns bei extremer Drehung, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.
Die Schneeeule „Hedwig“ hat ihrem Meister Harry Potter gerade noch ins Gesicht geblickt, nun dreht sie ihren Kopf – immer weiter, bis in die entgegengesetzte Richtung und sogar noch darüber hinaus: Eulen können ihren Kopf in beide Richtungen um mehr als 270 Grad verdrehen. „Eigentlich müssten sie dabei tot zu Boden fallen, weil sie sich die Blutzufuhr zum Gehirn abschnüren“, sagt Philippe Gailloud von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore.
Um dem Geheimnis der spektakulären Flexibilität der Eulen auf die Spur zu kommen, untersuchten die Forscher Köpfe und Hälse von zwölf frisch verstorbenen Vögeln. Mit Hilfe eines CT-Scanners erstellten sie dreidimensionale Aufnahmen der Blutgefäße und Knochen dieser Körperteile. Außerdem injizierten sie einen flüssigen Kunststoff in die Arterien der toten Vögel. Er verdeutlichte die Strukturen der Blutgefäße, als die Forscher diese sezierten.
Mehr Spiel am Wirbel und Sicherheitsarterien
Durch die Untersuchungen offenbarte sich ein deutlicher Unterschied zur Halsanatomie des Menschen: Die Wirbellöcher, durch welche eine der Halsschlagadern vom Körper der Eule in den Kopf führt, sind deutlich größer als das Blutgefäß selbst. Das lässt der Ader Raum für Bewegung, erklären die Forscher. Im Gegensatz dazu sitzen die menschlichen Arterien passgenau in den Wirbellöchern. Zusätzlich besitzen Eulen noch spezielle „Sicherheitsarterien“ im Hals, die eine Notversorgung ermöglichen, wenn es tatsächlich mal klemmen sollte, berichten die Forscher.