Eine Änderung der Essgewohnheiten könnte unsere Vorfahren auf den Weg zum Menschsein gebracht haben. Denn vor 3,5 Millionen Jahren begannen einige von ihnen, neben Früchten, Blättern und Kräutern auch Gräser und immergrüne Pflanzen zu essen, vielleicht auch das Fleisch von grasfressenden Tieren. Indizien für diese Erweiterung des Speiseplans haben mehrere internationale Forscherteams bei der Analyse von fossilen Vormenschenzähnen gefunden. Ihre Ergebnisse liefern erstmals einen Überblick über die Nahrungsvorlieben aller frühen Vormenschen – und könnten dazu beitragen zu erklären, warum nur einige von ihnen unsere Vorfahren wurden.
Den entscheidenden Hinweis auf den vormenschlichen Speiseplan verdanken die Forscher einer Eigenheit der Pflanzen: Denn diese nutzen drei unterschiedliche Methoden, um mittels Photosynthese neues Baumaterial für ihre Zellen und ihren Stoffwechsel zu erzeugen. Unterscheiden lassen sich diese Pflanzengruppen anhand der Kohlenstoffvarianten, die sie in ihre Zellen einbauen. Bei Gräsern und Immergrünen ist der Anteil des leichteren Kohlenstoff-Isotops C-13 höher als bei Laubbäumen und Kräutern. Wenn Tiere oder der Mensch diese Pflanzen verzehren, wird der mit der Nahrung aufgenommene Kohlenstoff in verschiedenste Körpergewebe und auch den Zahnschmelz eingebaut. Das Verhältnis der Kohlenstoff-Isotope wird dabei mit übernommen – und bleibt auch über Millionen von Jahren hinweg im Zahnschmelz erhalten.
Speiseplan im Zahnschmelz gespeichert
„Der Zahnschmelz liefert uns so chemische Information über die Ernährung unserer Vorfahren – fast als ob ihnen ein Stück Essen zwischen den Zähnen hängengeblieben wäre“, erklärt Zeresenay Alemseged von der California Academy of Sciences, Koautor von zwei der vier jetzt veröffentlichten Studien. Zum ersten Mal haben die Forscher nun diese Isotopendaten für nahezu alle unserer frühen Vorfahren und Vettern ausgewertet. Sie analysierten dafür Proben von 175 fossilen Vormenschen, die elf verschiedenen Arten angehörten und in der Zeit von vor 4,4 bis vor 1,3 Millionen Jahren lebten.
Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede. Die Zähne der vor mehr als vier Millionen Jahren lebenden Vormenschen Ardipithecus ramidus und Australopithecus anamensis enthielten relativ wenig Kohlenstoff C-13. Das lasse darauf schließen, dass sich diese Vormenschen ernährten wie heute noch die Schimpansen und die meisten anderen Menschenaffen, erklären die Wissenschaftler: Sie aßen fast ausschließlich Früchte und die zarten Blätter von Kräutern.