Forscher haben eine bisher unterschätzte Quelle für das klimaschädliche Gas Methan entdeckt: die Staustufen von Flüssen. Das von Bakterien am Flussgrund erzeugte Methan wird an diesen Wehren und Dämmen verstärkt aus dem Wasser an die Luft abgegeben. Seen, große Stauseen und Flüsse könnten damit sogar für ein Viertel aller anthropogenen Methan-Emissionen verantwortlich sein, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin “ Environmental Science & Technology“ berichten. Der Beitrag der Fluss-Staustufen wird in den meisten Treibhausgasbilanzen bisher nicht berücksichtigt.
Kaum ein großer Fluss weltweit fließt heute noch ungehindert. Stattdessen bändigen oft Staustufen seinen Lauf und erzeugen Abschnitte, in denen das Wasser mehr steht als fließt. Das aber hat Folgen: Denn an diesen Stellen setzen sich Schlamm und organische Ablagerungen ab, die am Flussgrund von Bakterien zersetzt werden. Diese zehren dabei Sauerstoff und geben das potente Treibhausgas Methan ab – seine Treibhauswirkung ist 25 Mal höher als die des Kohlendioxids.
Wie viel Methan Staustufen in Flüssen tatsächlich produzieren und an die Atmosphäre abgeben, haben jetzt Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften in Landau zusammen mit einem internationalen Forscherteam näher untersucht. Für ihre Studie ermittelten sie exemplarisch an der Saar und an anderen europäischen Flüssen die Höhe der Methan-Abgabe und die Wege, auf denen das Gas aus dem Sediment und Wasser in die Atmosphäre gelangt.
Überraschend hohe Emissionsraten
„Die an der Saar ermittelten Emissionsraten von Methan haben wir in dieser Größenordnung nicht erwartet und sie sind vergleichbar mit tropischen Stauseen“, sagt Andreas Lorke vom Institut für Umweltwissenschaften. „Messungen an anderen Flusssystemen in Europa deuten auf ähnliche Ergebnisse hin. Damit besitzen Flüsse und Stauhaltungen in der gemäßigten Klimazone einen relevanten Anteil an den globalen Emissionsraten und sollten auf jeden Fall in globalen Treibhausgasbilanzen stärker berücksichtigt werden.“