Bisher hielt man die Mosasaurier der Kreidezeit für eher langsame Schwimmer, die beim Beutefang nur auf das Überraschungsmoment setzten. Jetzt aber zeigt sich: Die Meeresräuber waren mindestens ebenso wendig wie die heutigen Haie. Denn sie besaßen fast den gleichen effektiven Antrieb: eine große gegabelte Schwanzflosse. Das belegt ein neuer Fossilfund in Jordanien, wie Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“ berichten.
In der späten Kreidezeit dominierten die Dinosaurier zwar über das Land, im Meer aber herrschten andere Saurier: Vor allem die bis zu 17 Meter langen Mosasaurier waren zu sehr erfolgreichen Meeresräubern avanciert, davon zeugen viele Fossilien weltweit. Ihr langgestreckter Schädel war mit einem sehr kräftigen Kiefer ausgestattet, in dem spitze Zähne saßen. Aus vergleichenden Untersuchungenwar bereits bekannt, dass sich diese Meeressaurier einst aus Landtieren entwickelten, die wieder ins Wasser zurückgekehrt waren – ähnlich wie die heutigen Meeressäuger.
Eine Frage aber blieb bisher offen: Wie sahen die Schwanzflossen der Mosasaurier aus? Hier fehlten bislang fossile Belege. Paläontologen gingen lange davon aus, dass ihr Schwanz eher dem der Eidechsen ähnelte und stumpf endete, ohne Flosse. Entsprechend galten sie als vergleichsweise langsame Schwimmer, die nur durch Überraschungsangriffe Beute machten. Forscher um Johan Lindgren von der schwedischen Lund Universität haben dies nun erstmals eindeutig widerlegt – dank eines neuen Fossilfunds in Jordanien.
Lange Gabelflosse als Heckantrieb
Bei diesem einem besonders detailreich erhaltenen Fossil eines Mosasauriers fanden die Forscher eindeutige Relikte einer großen Schwanzflosse. Was sich abzeichnete, war eine leicht gegabelte Flossen-Struktur: Das Ende der Wirbelsäule bog sich nach unten und stützte den unteren Teil der Schwanzflosse und oben saß eine zweite Ausbuchtung. Sie ähnelte damit der Flosse einiger heutiger Haiarten. Bei diesen ist der obere Teil der Gabelung länger als der andere – bei den Mosasauriern war dies genau umgekehrt. Diese Flossenform könnte den kreidezeitlichen Meeresräubern einen ähnlich guten Antrieb verleihen haben wie den Haien, so die Forscher.