Ein scharfer Schmerz jagt plötzlich durch die Wirbelsäule. Bei jeder weiteren Bewegung drohen noch schlimmere Schmerzen. Rückenschmerzen sind eine der häufigsten Krankheiten in Industrieländern. Bereits die Angst vor dem Schmerz wirkt sich auf die Bewegungen aus, weil der Betroffene sich zusätzlich anspannt. Dies erklärt, warum manche Rückenleiden chronisch werden. Eine Forschungsgruppe in Kanada hat in einem Versuch gezeigt, dass Patienten weniger leiden, wenn sie die Angst verlieren.
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Kosten in Milliardenhöhe
Nur jeder fünfte Mensch in den Industrieländern leidet nach eigenen Angaben nie an Rückenschmerzen. Den meisten Menschen schmerzt mindestens einmal im Leben das Kreuz. Schwere Gegenstände tragen, eine schlechte Körperhaltung, Stress oder Bewegungsmangel gelten als Hauptursachen. Normalerweise erholen sich Patienten in der Regel in sechs bis zwölf Wochen wieder. Doch bei einigen wird die Krankheit chronisch, die Gründe dafür sind genauso unbekannt wie die Heilungsaussichten. Behandlung und Arbeitsausfälle wegen Rückenschmerzen kosteten einer Studie des Helmholtz Zentrums München zufolge im Jahr 2012 in Deutschland fast 50 Milliarden Euro.
Yves Henchoz und seine Kollegen von der Universität Québec in Trois-Rivières, Kanada, wollten wissen, welche Rolle die Angst beim Übergang zu einem chronischen Krankheitsbild spielt: Beeinflusst die Angst die Rumpfmuskulatur und die Bewegungsausführung? Sie baten 22 gesunde Personen und 22 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, den Oberkörper nach vorne zu beugen und sich anschließend wieder aufzurichten. Dabei verabreichten sie ihnen im unteren Rückenbereich unterschiedlich starke Temperaturreize, von schmerzlos, über leicht schmerzhaft bis schmerzhaft. Vor jedem Hitzereiz teilten sie den Teilnehmern mit, wie stark der Schmerz sein würde.