Wasser mit Kohlensäure: Die Ozeane werden immer saurer und setzen damit Meeresorganismen unter Druck. Wie sie sich an die Ozeanversauerung anpassen, spielt eine entscheidende Rolle für die Zukunft mariner Ökosysteme. Mehrere Prognosen dazu liefern bislang nur unklare Ergebnisse. In einer neuen Studie nennt ein internationales Forscherteam einen bisher nicht ausreichend berücksichtigten Faktor: die Evolution.
Steigende Mengen Kohlendioxid in der Atmosphäre sorgen nicht nur für Klimaerwärmung. Das Treibhausgas löst sich auch in Wasser: Es bildet sich Kohlensäure, die den pH-Wert der Meere merklich senkt. Veränderte Lebensbedingungen durch den Klimawandel und die Versauerung der Ozeane stellen eine ernsthafte Bedrohung für viele Lebewesen im Meer dar. Inwiefern die Meeresbewohner dem steigenden Säuregehalt widerstehen können, indem sie sich daran anpassen, ist trotz zahlreicher Studien zum Thema noch weitgehend unklar.
Darwin nicht vergessen!
„Die Ozeanversauerung wird Meeresökosysteme definitiv verändern“, erklärt Thorsten Reusch vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. „Um die Entwicklung besser einschätzen zu können, müssen wir verstehen, wie sich Populationen im Laufe der Zeit an den Wandel anpassen.“ Was für Arten können sich wahrscheinlich anpassen? Wie wirkt sich ihre Evolution auf Wechselwirkungen im marinen Ökosystem aus?
Evolutionsbiologe Reusch hat gemeinsam mit Experten aus Kanada, Australien, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Schweden Antworten auf solche Fragen gesucht. Dazu haben die Wissenschaftler frühere Studien kritisch überprüft, um Ratschläge für zukünftige Untersuchungen geben zu können. „Obwohl Charles Darwin seine Theorie der evolutionären Anpassung vor mehr als 150 Jahren dargelegt hat, ist dieser Aspekt in der Erforschung des Ozeanwandels lange vernachlässigt worden“, so Reusch.