Das öffentliche Bild von Arbeitslosen ist häufig kein gutes: Hartz-IV-Empfänger sind faul und finden daher keine Arbeit, so hört man immer wieder. Deutsche Psychologen haben nun in einer Studie untersucht, ob das stimmt. Sie stellten fest: Hartz-IV-Empfänger sind gar nicht so faul, antriebsarm oder unsozial, wie es das Vorurteil ihnen zuschreibt.
Im Januar 2014 waren 7,3 Prozent Arbeitslose in Deutschland gemeldet. Rund 4,37 Millionen davon bezogen Arbeitslosengeld II. In einigen Medien ist von „Hartz-IV-Schnorrern“ die Rede, die die Steuerzahler ausbeuten. Sie vermitteln das Bild des überzeugten Hartz-IV-Empfängers, der körperlich und geistig in der Lage wäre Arbeit zu finden, sich aber bewusst dagegen entscheidet. Forscher der Ruhr-Universität Bochum wollten wissen, was dran ist an dem Vorurteil und analysierten gemeinsam mit dem Jobcenter in Kaufbeuren in einer eigens entwickelten Studie die grundlegende Einstellung der Hartz-IV-Empfänger.
Arbeitslose sind nicht faul
An der Studie nahmen 407 Personen teil, die den Fragebogen „Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung“ (kurz: BIP) am Jobcenter in Kaufbeuren ausfüllten. Das BIP erfasst 17 verschiedene Persönlichkeitsmerkmale mit Bezug zum Thema Arbeit. Darunter Leistungsmotivation, Teamorientierung, Flexibilität und Belastbarkeit – Kriterien, die heute ganz entscheidend für ein erfolgreiches Berufsleben sind. Den Bochumer Psychologen standen so anonymisierte Daten von 133 Arbeitssuchenden zur Verfügung, die sie mit denen von 274 Sachbearbeitern und Fachkräften verglichen.
Bei einigen Merkmalen fanden die Forscher keinen Unterschied zwischen Arbeitslosen und Berufstätigen, bei anderen hingegen schon. So waren die Arbeitslosen etwa genauso motiviert Leistung zu erbringen wie die Berufstätigen. Auch zeigten sie dieselbe Soziabilität (Verträglichkeit, Freundlichkeit) und Begeisterungsfähigkeit wie die Gruppe der Erwerbstätigen. Arbeitslose sind also nicht generell faul, unsozial oder antriebsarm, wie die Studie belegt.