Ob Delfin, Schweinswal oder Pottwal – sie alle jagen ihre Beute mit Sonar. Wann allerdings die Zahnwale dieses Sonarsystem erstmals entwickelten, war bisher unklar. Jetzt liefert ein Fossilfund die Antwort: Paläontologen haben in den USA den Schädel eines 28 Millionen Jahre alten Zahnwals entdeckt, der bereits typische Anpassungen an die Echoortung besitzt. Er belegt damit, dass diese komplexe Fähigkeit früher entstand als bisher angenommen, wie sie im Fachmagazin „Nature“ berichten.
Zahnwale nutzen Sonar zur Beutejagd. Über spezielle Organe und Schädelstrukturen senden sie hochfrequente, stark fokussierte Pfeif- und Klicklaute aus, deren Reflexion ihnen verrät, wo sich ihr Ziel befindet. Diese Laute werden nicht mit dem Rachen erzeugt, sondern über spezielle Stimmlippen am Blasloch – also quasi der Nase der Meeressäuger. Eine hinter ihrer aufgewölbten Stirn sitzende Fettblase, die sogenannte Melone, bündelt und verstärkt die Töne.
Die Reflexion seiner Ortungstöne empfängt der Zahnwal mit dem speziell angepassten Unterkiefer: Er enthält fettgefüllte Kanäle, die den Schall ans Mittelohr weiterleiten. Dank dieser Anpassungen hat sich die Echoortung der Zahnwale zu einem hochsensiblen und komplexen System entwickelt. Ein neuer Fossilfund belegt nun, dass die Zahnwale dieses komplexe Sonarsystem schon früher entwickelt haben als bisher angenommen.
Fossilfund im Entwässerungsgraben
Jonathan Geisler vom New York Institute of Technology und seine Kollegen entdeckten das Relikt in einem Entwässerungsgraben im US-Bundesstaat South Carolina. Dort trat eine rund 28 Millionen Jahre alte Gesteinsschicht zutage, in der die Forscher das Fossil eines urzeitlichen Zahnwals fanden. Neben dem fast vollständigen Schädel umfasst der Fund drei Halswirbel und Teile von mindestens sieben Rippen.