Forscher haben ein skurriles Phänomen entdeckt: Mit einem einfachen Trick kann man unserem Gehirn vorgaukeln, dass unsere Hand oder ein anderer Körperteil nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Marmor besteht. Das klingt verrückt, funktioniert aber im Experiment verblüffend gut. Das Geräusch eines auf Stein schlagenden Hammers genügt.
Unser Gehirn verarbeitet ständig Sinnesreize aus unserer Umgebung. Gleichzeitig aber nimmt es über solche Reize auch Informationen über unseren eigenen Körper auf. Tastreize und Sensoren in den Gelenken verraten, ob wir gerade etwas berühren, ob unser Arm gerade oder gebeugt ist und ob und warm oder kalt ist. Unser Körperbild entsteht dabei aus einer Vielzahl von miteinander verrechneten Signalen. Wie leicht sich dabei unser Gehirn überlisten lässt, zeigt ein verblüffendes Experiment von Neurowissenschaftlern um Irene Senna von der Universität Bielefeld.
Widerspruch von Klang und Anblick
Für ihr Experiment baten die Forscher ihre Versuchspersonen, die Hände flach vor sich auf einem Tisch zu legen. Dann klopften sie sanft mit einem kleinen Hammer auf die rechte Hand. Die Versuchspersonen hörten jedoch nicht das natürliche Geräusch des Hammers auf der Haut, sondern ihnen wurde über einen Kopfhörer zeitgleich das Geräusch eines auf Marmor prallenden Hammers vorgespielt.
Diese akustische Fehlinformation hatte einen deutlichen Effekt: Nach Angaben der Teilnehmer fühlte sich ihre rechte Hand innerhalb von Minuten steifer, schwerer, härter, unempfindlicher und unnatürlicher an. Sie hatten das Gefühl, ihre Hand wäre aus Marmor. Dieser subjektive Eindruck ließ sich sogar objektiv messen: Griffen die Forscher mit Elektroden den Hautwiderstand ab, stellten sie fest, dass sich auch dieser während des Versuchs verändert hatte.