Leicht behandelbar – eigentlich
Dabei ist die Infektion eigentlich einfach zu behandeln: Antibiotika können die Bakterien abtöten und die Patienten heilen. Das Problem dabei: Gerade in armen Ländern kommt die Therapie nicht zu den Patienten. Es hapert an den „letzten Metern“ der medizinischen Versorgungskette. Es fehlen Medikamente, aber auch die Diagnose hinkt gerade in ländlichen Gegenden hinterher.

Es fehlt an Laboren und fachkundigen Helfern, vor allem Resistenzen werden oft nicht erkannnt. © Jochen Hövekenmeier / DAHW.de
Die WHO schätzt, dass noch immer ein Drittel aller TB-Patienten nicht die Behandlung erhält, die sie benötigen. So gibt es in einigen Ländern nur ein Zentrallabor für die nötigen Tests, aus Mangel an Medikamenten und Helfern landen zudem etliche Kranke auf Wartelisten. Das Motto des diesjährigen Welttuberkulosetags lautet daher: „Reach the 3 Million“ – erreicht die drei Millionen Tuberkulosekranken, die bisher durch das Netz der medizinischen Versorgung fallen.
„Eine frühere und schnellere Diagnose aller Formen der TB ist entscheidend“, sagt WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. „Es erhöht die Chancen für die Betroffenen, die richtige Behandlung zu erhalten und geheilt zu werden und es hilft dabei, die Ausbreitung der resistenten Tuberkulose zu stoppen.“ Nach Schätzungen der WHO fehlen allerdings mindestens rund 1,6 Milliarden Dollar, um diese Verbesserungen weltweit umsetzen zu können.
Resistenzen breiten sich weiter aus
Aber es gibt noch ein weiteres Problem: Die Standard-Therapie – ein Mix aus vier verschiedenen Antibiotika – muss über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten eingenommen werden, bei resistenten Fällen sogar über zwei Jahre hinweg. „Wichtig ist die Regelmäßigkeit, das muss in jeder Lebenslage funktionieren“, betont Burkard Kömm, Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW). Ist das nicht der Fall, dann kann die Krankheit wieder ausbrechen und noch viel schlimmer: Die Erreger können Resistenzen ausbilden.

Rechts die Tabletten der Standard-Therapie, drei Mal pro Woche. Links die tägliche Dosis bei MDR-TB, hinzu kommt noch ein Medikament, das in den Muskel gespritzt werden muss. © Jochen Hövekenmeier / DAHW
Die Folge davon: Die herkömmlichen Waffen gegen die Krankheit werden langsam stumpf: Bakterienstämme, die unempfindlich gegen mindestens eines der zurzeit verfügbaren fünf Standardmedikamente sind, nehmen weltweit zu. Diese Resistenzen können sich unter anderem bei solchen Patienten entwickeln, die schon einmal wegen einer Tuberkulose behandelt wurden oder eine Therapie vorzeitig abgebrochen haben. Die Behandlung solcher Fälle ist sehr viel schwieriger, langwieriger und um ein Vielfaches teurer.
Im Jahr 2012 gab es laut WHO 450.000 Menschen multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) erkrankt, fast 50.000 sogar an der extrem resistenten Variante (XDR-TB). Besonders dramatisch ist die Entwicklung in China, aber auch in den Staaten des ehemaligen Ostblocks. In einigen Ländern der ehemaligen Sowjetunion liegt der Anteil der Resistenzen bei bis zu 60 Prozent, in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen wird immerhin noch bei jedem dritten Labornachweis eine Resistenz gefunden.
In der EU liegt der Anteil der resistenten Erreger nur bei unter drei Prozent – aber auch hier stoßen die Ärzte immer häufiger an ihre Grenzen. Nur 32 Prozent der Betroffenen konnten hier in den Jahren 2007 bis 2012 erfolgreich behandelt werden, bei der extrem resistenten Form sogar nur 19 Prozent.
(WHO/ DAHW, 24.03.2014 – NPO)
24. März 2014