„Der Natur in den Alpen und den Felsküsten geht es überwiegend gut. Aber die landwirtschaftlich genutzten Lebensräume sind aus Naturschutzsicht überwiegend in einem schlechten Zustand“, räumt auch Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN) ein. Es gehen zu viele Grünlandflächen verloren und damit wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von gefährdeten Arten. „Wir spüren auch die Folgen des Verlustes der Flussauen. Denn Flussauen schützen nicht nur die Menschen vor Hochwasser, sie sind auch für viele Tiere und Pflanzen überlebenswichtig.“
„Vermaisung“ beenden
Ambitioniertes Handeln sei auch im Bereich Landwirtschaft nötig, so Hendricks. Die Landwirtschaft ist für 54 Prozent der Landfläche in Deutschland verantwortlich. Damit habe sie auch eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt. So müssten im Rahmen der Agrarreform die Weiden und Wiesen besser geschützt werden vor einer Umwandlung in Äcker. Dafür müsse auch der Trend zum Anbau von immer mehr Energiepflanzen gestoppt werden.
„Bereits heute wachsen auf mehr als 17 Prozent der deutschen Ackerfläche Energiepflanzen – das reicht“, so die Ministerin. Neue Biogasanlagen müssten daher mit Abfall- und Reststoffen gefüllt werden und nicht mehr mit Mais. „Wir müssen die weitere Vermaisung der Landschaft beenden“, sagte Hendricks. Auch ein weiterer Ausbau der Biokraftstoffe der ersten Generation sei für den Naturschutz gefährlich.
Zu viel Dünger und Pestizide
Ähnlich sieht dies auch der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger: „Überall dort, wo die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft das Artensterben verursacht, wird der Schutz seltener Tiere und ihrer Lebensräume immer schwieriger.“ In den Agrarregionen sei der Anteil artenreicher Biotope an der Fläche auf nahezu ein Zehntel geschrumpft, sogar in Schutzgebieten werde streng geschütztes Grünland vermehrt umgepflügt.
Zu den Ursachen des Artensterbens gehört aber auch die Überdüngung von Böden und Gewässern. Nährstoffeinträge aus der Massentierhaltung gefährden sensible Biotope wie beispielsweise Moore und belasteten Nord- und Ostsee erheblich. Vor allem Wildbienen und Amphibien sind Opfer des exzessiven Pestizideinsatzes und der Zerstörung von Lebensräumen.
Mehr Einsatz von Ländern und Bund nötig
Grundsätzlich ist der Naturschutz in Deutschland Ländersache. Aber auch der Bund könne einiges tun, sagte Hendricks. Als Beispiel nannte sie ein neues Programm zum „Präventiven Hochwasserschutz“, an dem das Bundesumweltministerium derzeit mit den Ländern arbeite. Wenn man den Flüssen mehr Raum gebe, sei das gut für Hochwasserschutz und Naturschutz gleichermaßen.
Weiger warf den Ländern Versagen beim Schutz der Artenvielfalt vor: „Die Länder, aber auch der Bund müssen mehr tun, um den Artenverlust zu stoppen. Der Pestizideinsatz muss verringert und die Düngeverordnung nachgebessert werden. Und statt zu kürzen muss der Ökolandbau stärker gefördert werden.“ Erforderlich sei auch, EU-Gelder aus den dafür vorgesehenen Programmen für die naturschonende Agrar- und Regionalförderung zu verwenden. Die Bundesländer müssten zusätzliche personelle Kapazitäten schaffen, den Vertragsnaturschutz finanziell besser ausstatten und die Einhaltung der Naturschutzgesetze strenger kontrollieren.
„Für Deutschland gilt wie für alle EU-Staaten das Ziel, bis 2020 mindestens die Hälfte der Arten und sämtliche geschützten Lebensräume in einen besseren Zustand zu bringen als heute“, so der BUND-Vorsitzende. Erreichen lasse sich das aber nur, wenn die Schutzmaßnahmen vor Ort konsequent in hoher Qualität durchgeführt werden und die Finanzmittel dafür ausreichen. Ohne schnelles Handeln drohe die Vielfalt der Natur und damit die Lebensqualität der Menschen verloren zu gehen.
Die Berichte und einige Steckbriefe finden sich hier zum Anschauen und Herunterladen.
Ein BUND- und NABU-Hintergrundpapier Biodiversitäts-Check der Bundesländer zusammen mit entsprechenden Länderdossiers finden Sie ebenfalls im Internet.
(BMUB / BUND/ NABU, 27.03.2014 – NPO)
27. März 2014