Erstmals haben Astronomen ermittelt, wie schnell sich unser Kosmos vor 10,8 Milliarden Jahren ausdehnte – und damit vor Beginn der beschleunigten Expansion. Galaxien, die eine Million Lichtjahre auseinanderlagen, entfernten sich demnach mit 68 Kilometern pro Sekunde voneinander. Diese bisher genaueste Messung überhaupt liefert wertvolle Einblicke in die Entwicklung unseres Universums und in die Dunkle Energie.
Unser Universum dehnt sich immer weiter aus, das entdeckte schon 1929 der US-Astronom Edwin Hubble. Ihm war aufgefallen, dass das Licht ferner Galaxien stärker in den roten, langwelligen Bereich verschoben war als das von nahen. Inzwischen ist klar, dass dies nicht an der Eigenbewegung der Galaxien liegt, sondern an der Expansion des Raums selbst – also quasi der Matrix, in dem alle Himmelskörper sitzen. Die Rate der Ausdehnung des Universums wird heute durch die sogenannte Hubble-Konstante beschrieben.
Rätselhafte Beschleunigung
Doch diese Expansion ist nicht gleich geblieben: Seit etwa fünf Milliarden Jahren nimmt ihre Geschwindigkeit zu. Viele Forscher vermuten, dass die geheimnisvolle „Dunkle Energie“ für diese beschleunigte Ausdehnung eine Schlüsselrolle spielt. Sie gilt als abstoßende Gegenkraft zur Schwerkraft und damit als Antrieb für die Expansion. Die genauen Mechanismen und selbst die Natur dieser Dunklen Energie sind aber noch unbekannt.
„Die Expansionsrate über die gesamte Geschichte des Universums hinweg zu messen ist der Schlüssel, um die Natur der Dunklen Energie zu bestimmen“, erklärt Robert Nichol von der University of Portsmouth, einer der Mitarbeiter am Baryon Oscillation Spectroscopic Survey (BOSS), einem der bisher umfangreichsten Projekte zur Vermessung des frühen Universums. Denn wenn man weiß, wie schnell oder langsam die Expansion war, bevor die Dunkle Energie an Einfluss gewann, lässt sich dies als Referenzwert nutzen.