Müllhalde Ozean: Egal ob in der Tiefsee oder im Watt, überall in Europas Meeren finden sich Plastikteile, Reste von Fischernetzen und andere Relikte unserer Zivilisation. Das zeigt die bisher umfassendste Bestandsaufnahme der Ozeane unseres Kontinents. Selbst tausende Kilometer entfernt von den Küsten stießen die Forscher auf menschliche Abfälle, wie sie im Fachmagazin „PLOS ONE“ berichten.
Geschätzt rund 6,4 Millionen Tonnen Müll gelangen jedes Jahr in die Ozeane – eingeschwemmt über Flüsse und Küstenabwässer, über Bord geworfen von Schiffen oder bei Schiffsunglücken im Wasser verteilt. „Der Eintrag und die Ansammlung von Müll ist eine der am schnellsten wachsenden Bedrohungen für die Gesundheit der Weltmeere“, konstatieren Christopher Pham von der Universität der Azoren im portugiesischen Horta und seine Kollegen. Denn viele Lebewesen verwechseln kleinere Plastikteile mit Futter, fressen sie und gehen daran zugrunde. Zudem nehmen sie Schaden durch die giftigen Chemikalien, die im Wasser aus dem Plastik freigesetzt werden.
Dass dieser Müll auch entlang vieler Küsten Europas inzwischen verbreitet ist, war schon länger bekannt. Selbst Flüsse und Seen unseres Kontinents sind mit Plastikmüll belastet. Es fehlte aber bisher eine umfassende Bestandsaufnahme – eine Bilanz des Müllproblems in allen europäischen Unterwasser-Gebieten. Eine solche Bilanz hat das europäische Forscherteam um Pham nun erstmals zusammengetragen. Sie werteten dafür Daten von 600 Erhebungen aus, die zwischen 1999 und 2011 entlang des europäischen Kontinentalschelfs durchgeführt wurden. Die Fotos, Videos, Daten von Tauchrobotern und Netzfängen stammten dabei aus dem Atlantik, arktischem Ozean und dem Mittelmeer und aus Tiefen von 35 bis 4.500 Metern.
Kein Bereich ohne menschliche Abfälle
Das Ergebnis: Egal wo die Forscher nachschauten, überall fand sich Müll aus Menschenhand. „Menschliche Abfälle sind präsent in allen marinen Habitaten, von den Stränden bis in die entlegensten und tiefsten Bereiche des Ozeans“, sagt Koautorin Kerry Howell von der Plymouth University. „An vielen dieser Orte waren wir zum ersten Mal, aber wir waren geschockt, als wir feststellten, dass unser Müll längst vor uns dorthin gelangt war.“