Volkszählung unter Gletschern: Forscher haben erstmals ein komplettes Inventar der Gletscher unseres Planeten erstellt. Er gibt für jeden der rund 200.000 kartierten Eisströme an, wie groß er ist, wo er liegt und wie viel Eis er enthält. Dieses erste globale Gletscherinventar macht es nun auch mögliche, genauer als bisher zu berechnen, wie stark die Gletscherschmelze zum künftigen Meeresspiegelanstieg beiträgt, wie die Forscher im Fachmagazin „Journal of Glaciology“ berichten.
Neben den großen Eisschilden Grönlands und der Antarktis sind die Gletscher der Gebirge und polaren Küsten die Hauptreservoire für Eis auf unserem Planeten. Ihre Präsenz und ihr Verhalten prägt nicht nur das lokale Klima vieler Regionen, es wirkt sich auch auf den globalen Meeresspiegel aus. Wie stark aber dieser genau steigen würde, wenn alle Gletscher schmelzen, war bisher unklar – auch deshalb, weil eine komplette Bestandaufnahme dieser Gletscher fehlte.
200.000 Gletscher weltweit erfasst
Gerade rechtzeitig zum aktuellen Weltklimabericht des IPCC hat eine internationale Forschergruppe um Tad Pfeffer von der University of Colorado in Boulder diese Bestandsaufnahme nun abgeschlossen. Das Randolph Gletscher Inventar (RGI) erfasst und kartiert erstmals so gut wie alle Gletscher auf der Erde – fast 200.000 Einzelgletscher. Im Inventar sind neben Größe, Eisdicke und Volumen auch die Form der einzelnen Eisströme festgehalten, denn diese Faktoren bestimmen, wie sich der Gletscher verhält und wie stark er auf eine Erwärmung reagiert.
Damit ist es nun für Glaziologen möglich, die Auswirkungen des Klimawandels auf alle Gletscher weltweit mit zuvor unerreichter Genauigkeit zu berechnen. „Dieser Zugewinn an Daten bedeutet vor allem, dass die Wissenschaftler jetzt Berechnungen machen können, welche zuvor schlichtweg unmöglich waren“, sagt Graham Cogley von der kanadischen Trent University, einer der Koordinatoren des RGI.