Forscher haben erstmals künstliche Diamanten hergestellt, die ihre natürlichen Vorbilder in Härte und Hitzebeständigkeit deutlich übertreffen. Das Geheimnis dieser Super-Diamanten: Ihre Kristallstruktur weist kleine Einheiten auf, die an ihren Grenzflächen wie Bild und Spiegelbild gegeneinander stehen. Die Erzeugung solcher „Nanotwin“-Materialien ermöglicht die Produktion neuer ultraharter Materialien und Werkzeuge, so die Forscher im Fachmagazin „Nature“.
Werkzeuge mit Diamantspitzen sind unverzichtbar. Mit ihnen werden Glas, keramische Materialien und Steine gebohrt, geschnitten und geritzt, sie werden in so unterschiedlichen Branchen wie der Automobilindustrie und der Dentaltechnik oder Uhrenherstellung eingesetzt. Dabei gibt es jedoch bisher einen gravierenden Nachteil: Wird das Material zu heiß, zersetzt sich auch die Diamantspitze.
„Nanotwins“ gesucht
„In der Luft beginnen natürliche Diamanten bei rund 800 Grad Celsius zu oxidieren“, erklären Quan Huang von der Yanshan Universität in Qinhuangdao und seine Kollegen. Das führt zu beträchtlichem Verschleiß von Diamantwerkzeugen bei hohen Temperaturen. Materialien herzustellen, die genauso hart sind wie Diamant, aber hitzebeständiger, wird daher schon länger versucht.
Der Theorie nach könnte sich dies erreichen lassen, wenn die Mikrostrukturen im Diamant verkleinert werden und gleichzeitig die Grenzflächen im Kristall so angeordnet sind, dass sie jeweils parallele Grenzflächen bilden, entlang derer sich die Kristallstrukturen wie Bild und Spiegelbild gegenüber stehen. In der Praxis ist es allerdings bisher nicht gelungen, solche sogenannten Nanotwin-Diamanten aus Graphit oder anderen natürlichen Kohlenstoffvarianten zu erzeugen – auch weil dazu große Hitze und enormer Druck nötig sind.