Das römische Reich reichte einst von der Sahara bis in den Norden Englands. Doch Irland erlebte seltsamerweise nie eine römische Besatzung. Warum, hat jetzt ein deutscher Historiker aufgedeckt. Demnach hatten die Römer durchaus die Chance dazu, wollten aber nicht. Denn ihrer Ansicht nach lohnte sich die Eroberung dieser Insel schlicht nicht.
Ihrem Eroberungsdrang schien zeitweise keine Grenze gesetzt: Auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung umfasste das Römische Reich rund 40 Provinzen. Doch erstaunlicherweise gab es nie eine Provinz Hibernia – so lautete der römische Name Irlands. Die Insel blieb stets vom Expansionshunger des Imperiums verschont. Doch warum? Einige Forscher vermuteten, dass die Insel zu weit abseits der römischen Schiffswege und Interessengebiete lag und daher von ihnen nicht weiter beachtet wurde.
Aufzeichnungen und Ruinen zeigen von römischer Präsenz
Doch der Historiker Patrick Reinard von der Universität Marburg kommt nach umfangreichen Analysen historischer und archäologischer Daten zu einem ganz anderen Schluss. Demnach waren die Römer durchaus an Irland interessiert und erkundeten die Insel und ihre Bewohner sehr genau. So finden sich in den Berichten der römischen Schriftsteller Juvenal und Tacitus detaillierte Angaben zu römischen Militäraktionen in Irland und sogar über eine Planung zur Einnahme der Insel berichten die Aufzeichnungen.
„Die Quellen zeigen, dass sich Rom an der irischen Seegrenze genauso wie an jeder anderen Grenze verhalten hat“, erklärt der Historiker. „Land und Leute wurden genau untersucht, mögliche ökonomische, militärische und politische Potenziale ebenso beobachtet und bewertet wie die geographische und nautische Situation.“ Es müsse zudem intensive politische und wirtschaftliche Kontakte zwischen der britannischen Provinz und Irland gegeben haben, so der Forscher. Dies wird auch durch archäologische Funde untermauert. So existieren in Drumanagh, nördlich von Dublin, Ruinen einer Anlage, die den Römern einst als Anlaufstelle für den Handelsverkehr diente.