Urzeitliche Besiedler: Die Überreste der Eismumie Ötzi enthalten keineswegs nur sein eigenes Erbgut. Stattdessen haben Forscher jetzt in seinen Knochen auch die DNA mehrerer Bakterienarten nachgewiesen. Darunter sind sowohl gutartige Mikroben als auch Krankheitserreger, die Ötzis Zahnprobleme verursacht haben könnten, wie
die Wissenschaftler im Online-Fachmagazin „PLOS ONE“ berichten. Auch künftige Konservierungspläne könnten von den neuen Funden beeinflusst werden.
Eine winzige Knochenprobe der Eismumie Ötzi hat bereits viel über den Menschen aus der Kupfersteinzeit verraten: Seit 2010 ist sein entschlüsseltes Erbgut bekannt. Damit ließ sich sein Aussehen rekonstruieren, und wir wissen auch, dass er laktose-intolerant war. Wissenschaftler konnten anhand der DNA-Probe sogar 19 noch heute lebende Verwandte von Ötzi ermitteln.
Alles, was an DNA da ist
Weniger bekannt ist hingegen, welche Mikroben Ötzis Körper besiedelten. Aber auch darüber kann die gewonnene DNA-Probe Informationen liefern, wie Wissenschaftler um Frank Maixner von der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) nun zeigten. „Neu ist, dass wir keine zielgerichtete DNA-Analyse durchgeführt haben“, erläutert Maixner den Ansatz, „sondern vielmehr untersucht haben, was überhaupt alles an DNA da ist, wie viel und welche mögliche Funktion jeweils damit verbunden ist.“
Dabei kam einiges an Erbgut zutage, das nicht zu Ötzis eigener DNA gehört. „Diese ‚nichtmenschliche‘ DNA stammt großteils von Bakterien, die in und auf unserem Körper leben, was an und für sich nicht bedenklich ist“, erklärt Koautor Thomas Rattei von der Universität Wien. „Erst das Zusammenspiel bestimmter Bakterien oder ein Ungleichgewicht in dieser Bakteriengemeinschaft kann jedoch zu Krankheiten führen. Daher ist es wichtig, die Zusammensetzung der bakteriellen Gemeinschaft im DNA-Gemisch zu rekonstruieren.“