Tektonik als Evolutionsmotor: Seit langem rätseln Forscher, was die plötzliche Explosion der Artenvielfalt vor rund 530 Millionen Jahren auslöste. Ein US-Geologe liefert nun eine mögliche Antwort: Er präsentiert Indizien dafür, dass sich just zu dieser Zeit ein ganzer Urkontinent von der gewaltigen Landmasse Gondwana abtrennte. Das könnte die Meereschemie so verändert haben, dass die frühe Tierwelt einen Entwicklungsschub durchleben konnte, so der Forscher im Fachmagazin „Geology“.
Vor rund 530 Millionen Jahren erlebte das Leben auf der Erde einen plötzlichen Schub: Innerhalb kurzer Zeit entstanden unzählige neue Arten und Formen, in dieser Ära entwickelten sich fast gleichzeitig die Vorfahren der heutigen großen Tiergruppen. Zu keiner anderen Zeit in der Erdgeschichte hat es eine so rapide Evolution neuer Organismen gegebenen.
„Darwins Dilemma“
„Bis heute gilt dies als eine der erstaunlichsten und entscheidendsten Ereignisse in der Geschichte des Lebens“, erklärt Ian Dalziel von der University of Texas in Austin. Sogar Charles Darwin grübelte schon über diesen seltsamen Ausbruch des Lebens, denn dieser plötzliche Sprung in der Evolution schien seiner Theorie einer allmählichen Entwicklung zu widersprechen.

Was diese sogenannte kambrische Explosion auslöste, ist bis heute rätselhaft. Denn es lässt sich weder ein starker Klimaumschwung noch andere prägende Veränderungen eindeutig belegen. Und auch tektonisch schien zu dieser Zeit nur wenig Einschneidendes passiert zu sein: „Nahezu alle paläogeografischen Rekonstruktionen gehen davon aus, dass Laurentia – der Kontinentkern des heutigen Nordamerika – damals bereits von Gondwana getrennt war“, sagt Dalziel.