Gefälschtes Gedächtnis: Die mit unseren Erinnerungen verknüpften Gefühle sind nachträglich veränderbar, wie ein Experiment mit Mäusen zeigt. Forscher verkehrten dabei die mit einem Ort verknüpfte Angst in Freude. Dies funktioniert, weil die Verschaltung zwischen den Sacherinnerungen und den Gefühlen überschrieben werden kann, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature“ berichten.
Lange Zeit galten unsere Erinnerungen als nahezu unveränderbar. Inzwischen allerdings mehren sich die Hinweise darauf, dass unser Gedächtnis auch alte „Lagerbestände“ häufig nachträglich modifiziert. So kann beispielsweise Schlafmangel dazu führen, dass Erinnerungen ungenau und falsch werden, wie erst kürzlich eine Studie zeigte.
Erinnerung bleibt, Gefühl ändert sich
Aber auch die mit den Ereignissen verknüpften Gefühle können sich nachträglich ändern: Das erste Rendezvous mit dem Partner erscheint uns nach der Trennung nicht mehr ganz so rosig. Möglich wird dies, weil das Gehirn Sacherinnerungen – beispielsweise an den Ort oder das Geschehen – und Emotionen an zwei verschiedenen Stellen abspeichert: im Hippocampus und in der Amygdala. Wo aber die nachträgliche emotionale Neubewertung einer Erinnerung stattfindet und wie dies genau passiert, war bisher unbekannt.
Roger Redondo vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge und seine Kollegen haben die nachträgliche Umbewertung in einem Experiment mit Mäusemännchen untersucht. Dazu versetzten sie Gehirnzellen im Hippocampus der Tiere mit einem speziellen Protein. Dieses wird durch Licht aktiviert und sorgt dann dafür, dass diese Gehirnzellen neue Erinnerungen abspeichern und auch wieder Lichtsignal abgerufen werden können.