Die Form machts: Forscher haben erneut eines der Geheimnisse der Geigen von Stradivari oder Guarneri gelüftet. Demnach sorgt die spezielle Form der Schalllöcher dafür, dass diese Violinen so voll klingen. Sie lassen die Luft optimal ausströmen. Ob die alten Geigenbaumeister das erkannt hatten oder ob ihre Geigen nur durch Versuch und Irrtum so gut wurden, bleibt allerdings offen.
Ob Stradivari, Amati oder Guarneri – die Violinen aus der Blütezeit des italienischen Geigenbaus glänzen bis heute durch ihren vollen Klang. Typisch für diese Geigen sind zudem besonders lange, schmale Schalllöcher, im Gegensatz zu den eher halbmondförmigen Löchern bei mittelalterlichen Geigenvorläufern ähneln sie ein wenig einem geschwungenen „f“. Welchen Einfluss ihre Form auf die Klangqualität der Geigen hat, haben Hadi Nia vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge und ihre Kollegen untersucht.
Für ihre Studie sammelten die Forscher technische Zeichnungen, Röntgenaufnahmen und Scans von Violinen der klassischen Periode. Anhand dieser Informationen erstellten sie Modelle der verschiedenen Geigen und analysierten ihre akustischen Eigenschaften in einem Computermodell. Zudem führten sie akustische Messungen durch, um die Klangfülle der Violinen zu ermitteln.
Der Rand ist entscheidend
Das Ergebnis: Je dicker die Rückenplatte und je schmaler und länger das Schallloch ist, desto höher ist die Klangfülle. Denn während die Luft entlang der Ränder besonders schnell strömt, spielt das Zentrum des Lochs für den Schall nur eine untergeordnete Rolle, wie die Forscher berichten. Daher ist ein Schallloch mit möglichst viel Rand und wenig Innenraum optimal – und genau das bieten die schmalen, verschnörkelten f-Löcher der klassischen Violinen.