Damit sich die Hunde nicht auf herausstechende Signale wie das Zeigen von Zähnen beim Lächeln oder eine Zornesfalte beim ärgerlichen Gesicht beschränkten, wurden die Bilder horizontal in der Mitte geteilt. Zu sehen war für die Hunde im kompletten Training entweder die Augen- oder die Mundpartie. Ein Teil der Vierbeiner erhielt immer dann eine Belohnung, wenn er das fröhliche Gesicht anstupste, der andere Teil, wenn er das zornige Gesicht auswählte. Nach 15 Trainingsdurchläufen begann die eigentliche Testphase: Den Hunden wurden unbekannte Bilder in verschiedenen Variationen gezeigt, etwa die zuvor ungesehene Gesichtshälfte der bereits bekannten Testpersonen oder Gesichtspartien neuer Personen. Wieder sollten sie das Bild anstupsen, auf dessen Gefühlsausdruck sie trainiert waren.
Gefühlsausdruck erkannt
Und tatsächlich: Die Hunde stupsten auch im Test jeweils die Gesichter an, die das „richtige“ Gefühl zeigten – und das auch bei ihnen neuen Gesichtern. „Unsere Studie demonstriert, dass Hunde wütende und glückliche Ausdrücke in den Gesichtern von Menschen unterscheiden können“, sagt Huber. „Sie erkennen, dass diese beiden Gesichtsausdrücke jeweils etwas anders bedeuten.“
Nach Ansicht der Forscher bedeutet dies nicht nur, dass Hunde unsere Emotionen identifizieren, sondern auch, dass sie das Erlernte transferieren und auf andere Personen und Gesichtsmerkmale anwenden können. Sie haben demnach während des Trainings zornige oder fröhliche Gesichter als allgemeines Konzept bereits gespeichert.
Fröhliche Gesichter bevorzugt
Interessanterweise war die Trefferquote bei den zornigen Gesichtern niedriger als bei den frohen – die Hunde zögerten, das zornige Gesicht zu berühren. „Es sieht so aus, als würden die Hunde Hemmungen haben, zornige Gesichter anzustupsen“, erklärt Huber. Das könnte den Grund haben, dass wütende Gesichtsausdrücke negativ gespeichert sind, so dass sie die Hunde zur Vorsicht verleiten. Fröhliche Gesichter sind hingegen mit Gutem verbunden.
Und noch etwas schließen die Forscher aus ihren Versuchen: Die Hunde müssen die korrekte Bedeutung der Gesichtsausdrücke offenbar erst lernen. Ohne Training gelingt ihnen dies nicht. „Wir vermuten, dass Hunde, die keine Erfahrungen mit Menschen haben, schlechter abschneiden würden oder die Aufgabe gar nicht lösen könnten“, erkärt Huber.
Forscher wollen Emotionen der Hunde verstehen
Diesen Aspekt wollen die Forscher nun weiter untersuchen: Wie wirken sich die Erfahrungen der Hunde auf das Erkennen von Gesichtsausdrücken aus und welche Rolle spielt dies? Und auch wenn Hunde Emotionen unterscheiden können, ist noch nicht geklärt, was das für die Tiere bedeutet. Etwa wie menschliche Gefühle, aber auch die von Artgenossen, sich auf die Emotionen des Hundes auswirken. Oder wie diese ausgedrückt werden. So kann das besondere Band, das zwischen Hund und Mensch besteht, auf die Dauer noch vertieft werden.
(Current Biology,2015;doi: 10.1016/j.cub.2014.12.055)
(Veterinärmedizinische Universität Wien, 13.02.2015 – MAH)
13. Februar 2015