Himalaya ohne Schnee? Die Gletscher rund um den höchsten Berg der Welt könnten schon bald drastisch schrumpfen: Bis 2050 droht eine Halbierung des Eisvolumens in der Mount Everest-Region, bis 2100 könnte sogar fast alles Eis verschwinden, wie Forscher im Fachjournal „Cryosphere“ berichten. Für die Bewohner Nepals und anderer angrenzender Gebiete wäre dies fatal, denn ihre Wasserversorgung hängt größtenteils von den Himalaya-Gletschern ab.
Die Gletscher des Himalaya sind das größte irdische Eisreservoir außerhalb der Polargebiete. Ihr Eis spielt daher für den Wasserhaushalt der Region, aber auch für das Klima Asiens eine wichtige Rolle. Wie sich der Klimawandel auf diese Region auswirkt, ist aber bisher nur in Teilen klar. „Die meisten Regionen zeigen in den letzten Jahren deutliche Gletscherrückgänge“, berichten Joseph Shea vom International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) in Kathmandu und seine Kollegen. Es gibt aber auch Ausnahmen, darunter der Karakorum und das Pamirgebirge.
Dach der Welt im Computermodell
Wie sensibel die Himalaya-Region rund um den Mount Everest reagiert, haben Shea und seine Kollegen nun ermittelt. Sie untersuchten das Gebiet des sogenannten Dudh Kosi-Beckens. Dieses umfasst nicht nur die Gipfel des Mount Everest, des Nuptse, Makalu und anderer Gebirgsriesen, es enthält auch gut 400 Quadratkilometer Eisfläche. „Diese Region gilt als potenziell sensibel gegenüber der globalen Erwärmung“, erklären die Forscher. Aber weil 80 Prozent der Gletscher im Dubh Kosi-Becken oberhalb von 5.000 Metern liegen, sind Messdaten rar.
Für ihre Studie fütterten die Forscher ein Modell der Gletscherentwicklung mit Messdaten von Feldexpeditionen und Wetterstationen der letzten 50 Jahre. Damit bildeten sie zunächst die heutigen Bedingungen nach, um die Treffsicherheit des Modells zu testen. Dann simulierten sie die zukünftige Entwicklung unter dem gemäßigten IPCC-Szenario RCP4.5 und dem heftigeren – und möglicherweise realistischeren – IPCC-Szenario RCP8.5