Unterschätzte Gefahr: Tektonische Verwerfungen vor der Küste Südkaliforniens erweisen sich als unerwartet aktiv. Dort staut sich genügend Spannung im Untergrund, um schwere Erdbeben und starke Tsunamis auszulösen, wie US-Geologen nun entdeckt haben. Ein solches Ereignis könnte die Millionenstädte Los Angeles und San Diego heftig treffen, warnen die Forscher im Fachmagazin „Journal of Geophysical Research“.
Bisher galt das Augenmerk der kalifornischen Seismologen vor allem den Verwerfungen rund um die San Andreas Spalte. Denn entlang einiger Bereiche dieser Nahtstelle der Erdkruste gilt ein Beben als längst überfällig. Von der südlichen San Andreas Verwerfung aus leitet der Untergrund zudem Bebenwellen wie eine Düse direkt auf Los Angeles zu. Doch wie sich jetzt zeigt, droht auch von Westen her Gefahr – von Verwerfungen direkt vor der Küste von Südkalifornien.
Verwerfungen im Meeresgrund
Mark Legg von Legg Geophysical in Huntington Beach und seine Kollegen haben erstmals detaillierte bathymetrische Daten der sogenannten California Continental Borderlands ausgewertet. Diese Region umfasst bis zu 200 Kilometer des Meeresbodens vor der Küste Südkaliforniens, in der mehrere große und zahlreiche kleinere Verwerfungen liegen. Eingeklemmt zwischen der südwärts wandernden Nordamerikanischen Platte und der nordwestwärts driftenden Pazifischen Platte schieben sich hier Gesteinsblöcke aneinander vorbei.
Wie die Forscher feststellten, stehen zwei der großen Verwerfungen in dieser Region stärker unter Druck als bisher angenommen, die Santa Cruz Catalina- und die Ferrelo-Verwerfung. Entlang der unterseeischen Störungen stellten die Forscher bereits zahlreiche Hinweise auf vergangene Verschiebungen der Erdkruste entlang dieser Spalten fest. Auf diese Krustenblöcke wirke der gleiche seismische Stress wie auf die San Andreas Verwerfung – und es gebe keinen Grund anzunehmen, dass sie nicht auch genauso aufreißen könnten wie diese.