55 Grad Celsius für 20 Minuten – das zarteste Schweinefilet erhält man beim Vakuumgaren unter diesen Bedingungen, sagen deutsche Physiker. Denn dann sind alle Proteine im Fleisch bis zur gewünschten Zartheit denaturiert, das Filet kann aber noch nicht austrocknen und zäh werden. Die Ergebnisse ihrer Studie im Journal „Food Biophysics“ helfen aber nicht nur bei der Zubereitung des perfekten Schweinefilets, sie korrigieren auch einen bestehenden Volksglauben.
Zart und vor allem saftig sollte ein genau richtig gegartes Schweinefilet sein. Doch dieses perfekte Resultat zu erhalten, ist gar nicht so einfach: Beim Erhitzen verlieren die Proteine im Muskel- und Bindegewebe des Fleisches ihre Form. So wird das Fleisch weich und zart genug, dass wir es kauen und verdauen können. Doch bei zu hoher Temperatur ziehen die Proteine sich zusammen und pressen zu viel Wasser aus dem Fleisch: Das Filetstück wird dann hart, zäh und faserig.
Vakuumgaren mit Temperaturkontrolle
Eine Methode, um die perfekte Balance zu erreichen, ist die Sous-Vide-Technik oder Vakuumgaren. Dabei wird das Fleischstück in einem Kunststoffbeutel unter Vakuum versiegelt und dann in einem Wasserbad bei relativ niedriger, aber genau kontrollierter Temperatur gegart, normalerweise zwischen 55 und 85 Grad Celsius und oft über mehrere Stunden. So kann die Temperatur im Fleisch nicht zu hoch steigen, aber auch unregelmäßig geformtes Bratgut wird durch und durch gleichmäßig erhitzt.
Doch auch beim Vakuumgaren gibt es Tücken: Fleisch besteht nicht nur aus einem einzigen Protein, sondern vielen verschiedenen, die sich bei unterschiedlichen Temperaturen und in unterschiedlichen Zeitspannen verändern. Thomas Vilgis vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und sein Team haben sich darum ganz genau angeschaut, was beim Sous-Vide-Garen mit dem Fleisch passiert.