Überraschendes Puzzleteil: Ein Fossil einer zuvor unbekannten Primatengattung könnte der bislang rätselhafte letzte gemeinsame Vorfahre von großen Menschenaffen und Gibbons sein. Der Fund wirft ein neues Licht auf die Evolution moderner Affen, schreiben spanische Forscher im Magazin „Science“: Dieser Vorfahre war offenbar viel kleiner als gemeinhin angenommen.
Wir Menschen sind zusammen mit unseren nächsten Verwandten, den großen Menschenaffen Afrikas und Asiens, neben den Gibbons und Verwandten der Meerkatzen die einzigen Überlebenden einer einst vielfältigen evolutionären Gruppe. Diese nahm ihren Anfang schon vor mindestens 28 Millionen Jahren. Doch während über die Evolution des Menschen mittlerweile einiges bekannt ist, liegt die Entwicklungsgeschichte der Affen noch zu großen Teilen im Dunkeln.
Überraschend kleiner Urzeit-Gibbon
Wichtige Puzzlestücke fehlen: Es gibt zum Beispiel keine fossilen Funde von Gibbons aus der Blütezeit der sogenannten Menschenartigen, den Hominoidea, im Zeitalter des Miozäns vor etwa 23 Millionen bis vor 5 Millionen Jahren. Zur Überfamilie der Hominoidea gehört heute außer der Familie der Gibbons noch die Familie der großen Menschenaffen, also Menschen, Orang-Utans, Gorillas und Schimpansen.
Ein Fossil von der Fundstätte Abocador de Can Mata in Spanien liefert nun neue Hinweise zu dem letzten gemeinsamen Vorfahren dieser beiden Familien. Der Fund des überraschend kleinen Primaten könnte an einer etablierten Annahme rütteln, meinen Wissenschaftlern um David Alba von der Autonomen Universität Barcelona: „Der Ursprung der Gibbons ist ein Rätsel, weil es kaum fossile Überlieferungen gibt“, sagt Studienautor Alba. „Doch bislang gingen die meisten Experten davon aus, dass ihr letzter gemeinsame Vorfahre mit den Menschenaffen groß gewesen sein muss. Schließlich hatten alle bisher gefundenen Fossilien von Menschenartigen einen großen Körper.“