Mikrobielle Antilopen-Killer: Forscher haben die Ursache des rätselhaften Massensterbens der Saiga-Antilopen in Kasachstan gefunden: Es geht auf Bakterien zurück. Warum die Erreger jedoch so plötzlich und großflächig zuschlugen und zwei Drittel des Bestandes töteten, ist weiterhin unklar. Experten vermuten, dass geänderte Umweltfaktoren entweder die Antilopen geschwächt oder die Bakterien noch aggressiver gemacht haben – möglicherweise als Folge des Klimawandels.
Massenhaft verendete Saiga-Antilopen in der Steppe von Kasachstan hatten Wissenschaftler im Mai dieses Jahres vor ein Rätsel gestellt: Mindestens 150.000 Tiere sind diesem Massensterben nach offiziellen Angaben der kasachischen Regierung zum Opfer gefallen. Das entspricht fast zwei Dritteln der Population in der Steppenregion Betpak Dala in Zentralkasachstan. Die Zahl der tatsächlich verendeten Saiga-Antilopen liegt jedoch wahrscheinlich noch viel höher, da in der kurzen Zeit nicht alle toten Tiere gezählt werden konnten: Eine Zählung der noch lebenden Tiere im Juli dieses Jahres zeigte, dass von zuvor 242.500 Saigas nur noch knapp über 30.000 am Leben sind.
Desaströser Rückschlag für den Saiga-Schutz
Das Massensterben der Saigas, die einst in großen Herden durch die weiten Landschaften im Zentrum Kasachstans wanderten, ist doppelt tragisch: Die Betpak Dala Population war bis dahin die weltweit größte Einzelpopulation dieser Antilopen. In den 1990er Jahren hatte Wilderei diese Population verheerend dezimiert und die Population war gerade dabei, sich davon zu erholen.
„Die Bestände waren nach Jahren intensiver Schutzbemühungen endlich wieder auf einem Niveau, das uns Hoffnung gegeben hat, dass die Art gut überleben würde“, sagt Michael Brombacher, der den Saiga-Schutz bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt koordiniert. Für die Schutzbemühungen ist das Massensterben ein desaströser Rückschlag. Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern suchen daher seitdem fieberhaft nach den genauen Ursachen des ungewöhnlichen Massensterbens.