Überraschend komplex: Die bizarren Wesen der ersten Ökosysteme nutzten schon erstaunlich fortgeschrittene Nahrungsstrategien – obwohl ihr skurriler Körperbau eher Aliens als heutigen Organismen ähnelte. Die Analyse eines tellerförmigen, 550 Millionen Jahre alten Fossils belegt, dass dieses bereits gezielt Nahrungspartikel in seine Filterorgane spülte. Bisher dachte man, dass solche Filtrierer erst viel später entstanden, so die Forscher im Fachmagazin „Science Advances“. Der Fund spricht dafür, dass diese ersten Ökosysteme komplexer waren als bisher gedacht.
Sie gehörten zu den ersten Mehrzellern auf unserem Planeten: Vor mehr als 550 Millionen Jahren, im Ediacarium, lebte bereits eine Vielzahl bizarrer Wesen in den Urozeanen. Der Körperbau dieser Organismen war völlig verschieden vom dem heute lebender Tiere, einige glichen gelappten Gebilden ohne Kopf oder Darm, andere waren röhrenförmige Riffbauer und wieder andere ähnelten einer halb aufgeblasenen Luftmatratze.
Nahrungsstrategie unbekannt
Wie sich diese Tiere ernährten und wie komplex ihre Nahrungsketten waren, war bisher weitgehend unbekannt. „Die Nahrungsstrategien dieser rätselhaften Organismen aufzuklären ist besonders problematisch, weil diese Lebewesen sich so radikal von den heute lebenden unterschieden“, erklären Imran Rahman von der University of Bristol und seine Kollegen. Um dennoch Antworten zu finden, wählten die Forscher einen neuen Weg: Sie nahmen physikalische Modelle der Strömungsdynamik zu Hilfe, um der Fressweise eines dieser Rätsel-Organismen auf die Spur zu kommen.
Mit Hilfe von Mikrocomputertomografie analysierten sie dafür zunächst den dreidimensionalen Aufbau des Ediacarium-Fossils Tribrachidium heraldicum. „Dieser Organismus lebte im flachen Wasser und besaß eine dreiseitige Symmetrie, die bei heutigen Tierarten völlig unbekannt ist“, erklären die Forscher. Er ähnelte einer flachen Scheibe, die aus drei eingerollten, verzweigten Armen bestand.