Verschwörungstheorien im Aufwind: Über die sozialen Netzwerke verbreiten sich Gerüchte und Fehlinformationen besonders effektiv. Wie und warum, haben nun Forscher genauer untersucht. Dabei zeigt sich: Freundeskreise wirken wie Echokammern für Gerüchte und verstärken sie immer mehr. Im Gegensatz zu seriöse Meldungen wachsen dadurch Verschwörungstheorien im Netzwerk langsam zur Lawine heran, wie die Forscher im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ berichten.
Die sozialen Netzwerke verändern die Art, wie Informationen im Internet wahrgenommen und geteilt werden. Erst vor wenigen Monaten deckten US-Forscher auf, dass Facebook und Co eine Art Filter-Blase erzeugen: Unser Freundeskreis sorgt dafür, dass wir vorwiegend die Meldungen sehen, die ohnehin in unser Weltbild passen. Auch Stimmungen übertragen sich in diesen Netzwerken sehr schnell.
Eine der größten Bedrohungen
Aber nicht nur das: Gerade in sozialen Medien breiten sich auch Gerüchte und Verschwörungstheorien besonders schnell aus, wie Michela Del Vicario vom Labor für Computer-Sozialwissenschaften in Lucca und ihre Kollegen erklären. So kursierten während der Ebola-Epidemie Fehlinformationen, die das Pflegepersonal weltweit verunsicherte. Kürzlich erst mutierte zudem ein ganz normales Manöver der US-Streitkräfte mit dem Namen „Jade Helm 15“ im Netz zum Beginn eines Bürgerkriegs in den USA.
„Diese massive digitale Desinformation ist inzwischen so allgegenwärtig, dass das World Economic Forum (WEFG) sie als eine der Hauptbedrohungen für unsere Gesellschaft listet“, so die Forscher. Sie haben untersucht, welche Faktoren dafür sorgen, dass sich Gerüchte und Verschwörungstheorien so schnell im Netz verbreiten. Über einen Zeitraum von fünf Jahren verfolgten die Forscher bei 67 Facebook-Seiten, wer welche Nachrichten teilte und an wen. In 32 Seiten ging es dabei primär um Verschwörungstheorien, der Rest enthielt Wissenschafts-Meldungen.