Mediziner schlagen Alarm: Sie haben in Deutschland Bakterien nachgewiesen, die selbst gegen das Reserve-Antibiotikum Colistin resistent sind. Dieses Mittel galt bisher als letzte Rettung gegen hartnäckige Infektionen mit resistenten Darmkeimen. Doch nun hat sich ein wahrscheinlich in China entstandenes Resistenzgen auch in Europa ausgebreitet – sowohl bei Geflügel als auch beim Menschen sind Erreger mit diesem Gen gefunden worden.
Die wichtigsten Waffen der Medizin werden stumpf: Immer häufiger bleiben gängige Antibiotika wirkungslos, weil die krankmachenden Bakterien gegen diese Wirkstoffe resistent geworden sind. Einige dieser „Superkeime“, darunter der gefürchtete Krankenhauskeim MRSA und die sogenannten ESBL-Bakterien, sind bereits gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig immun, selbst Notfall-Wirkstoffe helfen gegen sie vielfach nicht mehr.
Resistent selbst gegen Reserve-Antibiotikum
Als letzte Rettung setzen Mediziner in solchen Fällen sogenannte Reserve-Antibiotika ein – Wirkstoffe, die bei normalen Infekten nicht verwendet werden, um eine Resistenzbildung zu verhindern. Besonders bei multiresistenten Enterobakterien ist das Antibiotikum Colistin eines der wenigen noch wirksamen Mittel. Es zählt laut Weltgesundheitsorganisation zu den „Critically important antibiotics for human medicine“.
Doch nun zeigt sich, dass auch diese Behandlungsoption bald hinfällig werden könnte: Bereits im November 2015 haben Forscher in China Bakterien mit einem zuvor unbekannten Resistenzgen gegen Colistin entdeckt. Die Keime mit dem Gen mcr-1 wurden sowohl beim Menschen, als auch bei Tieren und in Lebensmitteln nachgewiesen. Wahrscheinlich bildete sich diese Resistenz durch den starken Einsatz von Antibiotika in der chinesischen Tierzucht.