Sichtbar per Teleskop oder im Live-Stream
Im Gegensatz zu einem Venustransit ist dieses Himmelsschauspiel aber ohne Teleskop mit mindestens 50-facher Vergrößerung nicht zu sehen – für das bloße Auge ist der dunkle Fleck zu klein. Und auch die Beobachtung mit Teleskop oder Kamera gilt: Niemals ohne speziellen Schutzfilter in die Sonne schauen, sonst drohen schwere Augenschäden!
Wer kein eigenes Teleskop besitzt, hat aber dennoch eine Chance, das Ereignis zu verfolgen: An diesem Tag bieten viele Sternwarten und Observatorien Beobachtungstreffen an. Auch im Internet wird der Merkurtransit live übertragen, unter anderem in einem Live-Stream der ESA und vom EU-Projekt STARS4ALL. Die NASA stellt live-Bilder des Sonnensatelliten SDO ins Netz, der den Transit sozusagen aus der ersten Reihe dokumentieren wird.
Fingerabdruck der Gashülle
Für die Astronomen ist der Merkurtransit eine wertvolle Chance, mehr über die extrem dünne Atmosphäre des Planeten zu erfahren. Gleichzeitig können sie dabei Methoden ausprobieren und überprüfen, mit denen sonst die Atmosphäre von Exoplaneten erkundet werden.
Wenn das Sonnenlicht beim Transit durch die Exosphäre des Merkur scheint, hinterlassen die darin vorhandenen Elemente ihre Signatur in Form von Linien im solaren Lichtspektrum. Anhand der Dicke und Position dieser Linien lässt sich erkennen, um welche Elemente es sich handelt, aber auch, wie weit die Exosphäre nach außen reicht und wie dicht sie ist. Auch bei Exoplaneten liefern solche spektralen Fingerabdrücke Astronomen wertvolle Informationen.
Der Merkurtransit liefert Astronomen eine Chance, mehr über den Merkur zu erfahren und ihre Methoden der Exoplaneten-Erkundung zu verfeinern.© NASA
Natrium als Spektrographen-Test
Forscher des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) werden den Transit gleich von mehreren Standorten aus beobachten und dabei Teleskope und verschiedene Instrumente testen. Matthias Mallonn vom AID wird den Transit mit einem Spektrographen in Arizona verfolgen, der sonst zur sogenannten Transmissionsspektroskopie von Exoplaneten eingesetzt wird. Dabei vergleicht er spektrale Natriumwerte vor, während und nach dem Vorbeizug des Planeten.
Merkurs Exosphäre schwächt das Sonnenlicht bei der Wellenlänge von Natrium während des Transits nur um etwa ein Hunderttausendstel ab. Dieser Effekt lässt sich nur mit einem extrem präzisen Spektrographen nachweisen. „Wir nehmen die gesamte Sonnenscheibe auf, dadurch ist das Signal der Exosphäre Merkurs winzig. Mit der Messung will ich herausfinden, welche Genauigkeiten ich erzielen kann, um diese Erfahrung später auf Exoplaneten anzuwenden“, so der Forscher.
Übergang am Planetenrand im Visier
Mallonns Kollege Carsten Denker wird am europäischen Sonnenteleskop GREGOR auf Teneriffa die Ausdehnung und Form der Merkur-Exosphäre vermessen und dabei Messungen wiederholen, die beim Merkur-Transit im Jahr 2003 gemacht wurden. Für Bildaufnahmen sollen zudem eine sehr schnelle Kamera und adaptive Optik eingesetzt werden, mit deren Hilfe die Forscher auf gestochen scharfe Bilder des Ereignisses hoffen.
„Der Merkurtransit bietet uns eine einzigartige Möglichkeit unsere Messmethodik zu kalibrieren“, erläutert Denker. „Wie scharf wir den harten Übergang zwischen dem Planetenrand und der Sonne beobachten können, ermöglicht uns einzuschätzen, wie sehr Streulicht die Beobachtung mit GREGOR tatsächlich beeinflusst.“
(Royal Astronomical Society/ Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam, 09.05.2016 – NPO)
9. Mai 2016