Ungesunde Nachbarschaft: Wer in der Nähe einer Mülldeponie wohnt, muss möglicherweise mit einem höheren Risiko für Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs rechnen. Darauf deutet eine Studie an gut 240.000 Anwohnern von italienischen Mülldeponien hin. Demnach kann die Belastung mit entweichenden Deponiegasen und anderen Luftschadstoffen die Gesundheit der Anwohner messbar beeinträchtigen, so das Fazit der Wissenschaftler.
Mülldeponien gelten nicht gerade als ideale Nachbarschaft, selbst dann nicht, wenn sie modernen Standards entsprechen. Denn viele Menschen befürchten, dass trotz Abdichtungsmaßnahmen Gase, Giftstoffe oder Schwermetalle austreten können. Ob die Nähe zu Deponien tatsächlich Gesundheitsrisiken birgt, ist jedoch umstritten. Epidemiologische Studien dazu lieferten bisher widersprüchliche Ergebnisse.
Anwohner von neun Deponien untersucht
Francesca Mataloni vom regionalen Gesundheitsdienst in Lazio, Rom und ihre Kollegen liefern nun weitere Hinweise darauf, dass zumindest einige Deponien Luftschadstoffe abgeben, die die Gesundheit der Anwohner beeinträchtigen können. Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Gesundheit von mehr als 242.000 Menschen, die im Umkreis von fünf Kilometern um eine von neun Deponien in der Region Lazio wohnen.
Die Wissenschaftler verglichen dabei insbesondere, ob die Ausgasung von Schwefelwasserstoff (H2S) aus den Deponien und den Müllverbrennungsanlagen mit bestimmten Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen der Anwohner zusammenhängen könnte. Das stark riechende, giftige Gas gilt als Marker auch für andere freigesetzte Deponiegase.