Der Ausbruch des isländischen Vulkans Bárdarbunga vor gut zwei Jahren hat gleich mehrere Rekorde gebrochen: Es war der stärkste seit mehr als 240 Jahren in Europa und die größte Calderen-Bildung, die je direkt beobachtet wurde. Noch wichtiger aber: Erstmals haben Vulkanforscher herausgefunden, dass nicht dieser Einsturz der Magmakammer die Eruption auslöst, sondern umgekehrt erst der Ausbruch den Einsturz bewirkt, wie die Forscher im Fachmagazin „Science“ berichten.
Calderen sind beeindruckende Zeugen von großen Vulkanausbrüchen: Die bis zu hundert Kilometer weiten Senken entstehen, wenn bei explosiven Eruptionen die Decke eines unterirdischen Magmareservoirs einbricht und dadurch die Erdoberfläche absackt. Ob jedoch dieses Einbrechen erst die Eruption auslöst oder umgekehrt der Ausbruch das Magmareservoir zum Einsturz bringt, blieb bislang ungeklärt.
Der simple Grund dafür: Vulkanausbrüche mit Calderenbildung sind sehr selten. „Zwischen 1900 und 2014 gab es nur sechs dokumentierte Fälle“, berichten Magnus Gudmundsson von der Universität Island und seine Kollegen. Und von diesen konnte nur wenige von Beginn an verfolgt und genau untersucht werden.
Größter Ausbruch seit 1784
Das aber änderte sich im August 2014 mit dem Ausbruch des Gletschervulkans Bárdarbunga auf Island. Der Vulkan und sein gut 150 Kilometer langes System aus Spalten und Nebenschloten liegt größtenteils unter dem Vatnajökull-Gletscher. Im Laufe der sechs Monate anhaltenden Eruption traten 1,5 Quadratkilometer Lava aus. Es war damit der größte europäische Vulkanausbruch seit der Laki-Eruption von 1784 – wenn auch glücklicherweise nicht so explosiv.